Häufig gestellte Fragen

FAQ

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Sucht allgemein

Wie der Körper eines Menschen auf Alkoholkonsum reagiert und wie dieser verwertet wird, ist von Person zu Person unterschiedlich. Es gibt einige Richtlinien, die als Orientierung für einen risikoarmen Konsum dienen können. Eine erwachsene Frau sollte demnach nicht mehr als 10g Alkohol pro Tag zu sich nehmen. Diese Menge entspricht einem kleinen Glas Wein (0,1 Liter) oder einem kleinen Glas Bier (0,25 Liter). Mit der Menge des konsumierten Alkohols und der Häufigkeit des Konsums steigt auch das Risiko. Innerhalb einer Woche sollten mindestens 2 Tage alkoholfrei bleiben. Bei besonderen Erkrankungen, in der Schwangerschaft, am Arbeitsplatz oder als Verkehrsteilnehmerin sollte unbedingt auf Alkohol verzichtet werden.
Es gibt keine allgemeinverbindliche Richtlinie nach der zweifelsfrei beurteilt werden kann, ab wann jemand abhängig ist. Allgemein lässt sich sagen, dass sich ein abhängiger Mensch ohne sein Suchtmittel nicht wohlfühlt. Menschen, die abhängig sind, haben ein großes Verlangen nach dem Suchtmittel. Um die gleiche Wirkung zu erzielen, müssen Sie ihre Dosis in der Regel im Laufe der Zeit steigern. Bei vielen Substanzen besteht neben der psychischen Abhängigkeit auch eine körperliche Abhängigkeit, d. h. der Körper reagiert unter Umständen mit Entzugserscheinungen auf den Wegfall des Suchtmittels. Mit dem Konsum schaden Sie sowohl sich selbst als auch den Menschen in ihrem sozialen Umfeld. Im Falle einer stoffungebundenen Sucht wie beispielsweise der Glücksspiel-, Kauf- oder Mediensucht ist der Übergang zur Sucht schwieriger zu definieren. Mit ihren Symptomen äußert sie sich aber im Großen und Ganzen ähnlich wie eine Substanzabhängigkeit.
Alkohol ist nicht gesundheitsförderlich und kann keinesfalls Medikamente ersetzen! Vor allem der Mythos „Alkohol ist eine gute Prophylaxe gegen Herzinfarkt“ ist weit verbreitet. Dabei ist zu beachten, dass es sich hierbei um eine geringe Menge von 0,1 Liter Wein handelt, die maximal jeden zweiten Tag konsumiert wird. Alkohol ist niemals risikofrei, sondern immer ein Gift, welches der Körper verarbeiten muss. Alkoholfreie Tage sind notwendig, damit aus dem Gläschen Wein keine Gewohnheit und aus der Gewohnheit keine Sucht wird. Doch dies kann kein Grund sein mit dem Trinken anzufangen, denn auch wenn Rotwein in einigen wenigen Fällen ein Infarktrisiko zu senken vermag, birgt der Konsum auf der anderen Seite immer auch eine Vielzahl an gesundheitlichen Risiken. Einem Herzinfarkt können Sie allemal mit anderen Maßnahmen besser vorbeugen.  
Wer sich in Deutschland ans Steuer setzt, muss dazu in der Lage sein dieses sicher zu führen. In Deutschland gilt die 0,5 Promille Grenze. Wer diese Grenzen überschreitet, muss mit einer Geldstrafe, Punkten im Verkehrszentralregister und Fahrverbot rechnen. Kommt es zu einem Unfall, drohen zusätzlich der (dauerhafte) Entzug der Fahrerlaubnis, möglicherweise sogar Freiheitsstrafe. Auch ab 0,3 Promille können Konsequenzen eintreten, wenn es zu Ausfallerscheinungen oder zu einem Unfall kommt. Für FahranfängerInnen in der Probezeit und für Jugendliche unter 21 Jahren gilt absolutes Alkoholverbot. Die Frage nach dem „wie viel darf ich“ lässt sich nicht zuverlässig beantworten, denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Alkohol, da viele Faktoren wie Alter, Gewicht oder Mahlzeiten ein Rolle spielen. Nach Tabellen zu berechnen, ob man mit dem nächsten Glas Wein die Promillegrenze erreicht oder nicht, ist demnach nicht zu empfehlen. Auf Nummer Sicher gehen FahrerInnen, die auf Alkohol verzichten oder die den Heimweg mit dem Taxi antreten. Genügend Zeit sollte vergangen sein, bevor man sich nach einer feuchtfröhlichen Nacht wieder ans Steuer setzt, denn auch noch nach mehreren Stunden ist man nicht unbedingt wieder fahrtüchtig. Das Führen eines Fahrzeugs unter jeglicher Form von Drogeneinfluss ist nicht zu verantworten und wird in jedem Fall strafrechtlich geahndet.
Das Verlangen nach einem Suchtmittel kann plötzlich in unterschiedlichsten Situationen auftreten. Hilfreich kann es dann sein, sich vor Augen zu führen, dass diese Phase endlich ist. Diese geht wie sie gekommen ist nach maximal 20 Minuten wieder vorüber. In der Zeit, in der das Verlangen auftritt, kann es helfen, sich abzulenken z.B. mit Sport, einer Zeitschrift, einem Telefonat mit der Freundin, usw. Es empfiehlt sich zudem eine Person ins Vertrauen zu rufen und diese in Krisensituationen anzurufen. Auch das bewusste Denken an die eigenen Ziele und die bisherigen Erfolge kann zum Durchhalten ermuntern und Kraft geben.
Ein erneuter Konsum nach einer Zeit der Abstinenz muss nicht zwangsläufig den Rückfall in alte Trinkmuster bedeuten. Grundsätzlich benötigt eine Änderung von lang gehegten Gewohnheiten Zeit, ebenso die Überwindung der Suchtmuster. Neue Verhaltensweisen wie die Abstinenz müssen zunächst geübt werden und wie bei anderen Dingen auch, funktioniert es nicht beim ersten Mal fehlerfrei. Im Falle eines Rückfalls kann es hilfreich sein sich die bisherigen Erfolge und auch die eigenen Ziele vor Augen zu führen. Aus den bisherigen Erfahrungen mit dem reduzierten Konsum bzw. der Abstinenz kann profitiert werden. Empfehlenswert ist es außerdem sich in einer Rückfallsituation an eine Vertrauensperson zu wenden und fachliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Die Wiederaufnahme der Abstinenz ist immer möglich und umso einfacher je schneller damit begonnen wird.
Eine ambulante oder stationäre Entwöhnungstherapie sowie eine Nachsorgebehandlung sind beihilfefähig. Die Kosten werden von den Rentenversicherungsträgern, der Beihilfe oder den Krankenkassen getragen. BeraterInnen in Suchtberatungsstellen wie die Frauensuchtberatung Schleswig-Holstein informieren über unterschiedliche Therapieangebote, helfen bei der Ermittlung der Kostenträger und der Antragstellung. Sie unterstützen bei der Aufrechterhaltung der Abstinenz und natürlich auch danach.
Nicht nur die oder der Suchtkranke allein ist von seiner Krankheit betroffen, sondern immer auch das nahe Umfeld, Familie, PartnerIn, Freunde, Nachbarn, ArbeitskollegInnen. Sucht ist eine Beziehungsstörung, das bedeutet, dass alle Verhaltensweisen und Reaktionen einer Person auch alle anderen Personen eines Netzwerkes beeinflussen. Angehörige Frauen unterstützen ihre(n) PartnerIn oft bis zur eigenen Selbstaufgabe. Ihr Ziel ist es die Beziehung um jeden Preis zu retten. Dafür opfern sie ihre Gesundheit, soziale Kontakte und ihren Lebensinhalt. Angehörige benötigen ebenso Unterstützung wie die Betroffenen. Da das Problem in der Familie oder im Freundeskreis oft zum Tabu wird, ist es sinnvoll mit jemandem über die Situation sprechen zu können. In einer Suchtberatungsstelle finden immer auch Angehörige professionelle Hilfe, Informationen zum Thema Sucht und Unterstützung wie sie mit der Situation umgehen können.
In der Regel ist es für die Menschen in der näheren Umgebung spürbar, das mit der oder dem Betreffenden etwas nicht stimmt. Unmissverständliche Signale sind eine regelmäßige „Alkoholfahne“ oder das Verstecken von Alkoholvorräten vor anderen. Weitere Indizien sind nicht immer eindeutig, können aber auch auf ein Suchtproblem hinweisen. Zu ihnen gehören u.a. Stimmungsschwankungen, die Vernachlässigung von Interessen und Freundschaften, Unzuverlässigkeit in Folge des Alkoholkonsums oder eine abweisende oder aggressive Reaktion wenn der Konsum zur Sprache kommt.
Dass eine Person, ein Suchtproblem hat, wird in der Regel von den Menschen in ihrem sozialen Umfeld schnell erkannt. Die meisten scheuen sich aber, diese Person direkt auf das Problem anzusprechen, da sie Angst vor der Reaktion haben. Oft wird von den Mitmenschen der geheime Wunsch gehegt, dass Problem möge sich so wie es gekommen ist auch von alleine auflösen. Leider ist dies nicht möglich und das Schweigen des sozialen Umfeldes lässt die Betroffenen nur umso länger in ihrer Sucht verharren. Einerseits scheint es ihnen gerade recht zu kommen, nicht auf das Problem angesprochen zu werden, andererseits fühlen sie sich umso unverstandener und mit ihren Problemen allein gelassen, dass sie dieses Gefühl nicht selten mit erneutem Konsum zu verdrängen versuchen. Der Wille zur Veränderung und die Bereitschaft Hilfe anzunehmen lassen sich nicht erzwingen. Ändern kann sich ein Mensch nur selbst, andere Menschen vermögen dies nicht zu vollbringen. Dennoch können Familienmitglieder, Freunde, Nachbarn oder andere ihre Hilfe anbieten. Grundlegend für ein Gespräch ist es, dass Sie von ihrer eigenen Situation ausgehen, Ihre eigenen Gefühle und Sorgen beschreiben. Schuldzuweisungen und Verurteilungen sind nicht hilfreich, sondern führen zu Widerstand. Für die betroffene Person ist es wichtig, dass sie sich mit ihren Sorgen und Ängsten ernstgenommen fühlt und die Möglichkeit bekommt, ihre Sicht der Dinge darzustellen. Konsequenzen sollten Sie nur dann ankündigen, wenn sie realistisch sind und auch Sie diese auch wirklich umsetzen. Informationen über Möglichkeiten der Unterstützung (z.B. Flyer einer Beratungsstelle) können Sie bereits im Vorfeld des Gesprächs besorgen und im Gespräch anbieten. Persönliche Hilfsangebote (z.B. Kinderbetreuung) können der oder dem Betroffenen den Gang zu einer Beratungsstelle erleichtern.
Viele Angehörige haben Angst davor, ein Familienmitglied, einen Freund oder eine Freundin mit Suchtproblem im Stich zu lassen. Angst drängt sich auf, ihr oder ihm könnte etwas passieren und sie hätten es nicht verhindert. Andere wiederum sagen, genau dies sei der richtige Weg. Es bietet sich an, davon auszugehen, der betreffenden Person ihre Verantwortung zurückzugeben. Oft werden Süchtige von ihrem sozialen Umfeld in wichtigen Angelegenheiten unterstützt. Fehltage bei der Arbeit werden entschuldigt, Freunde und Nachbarn werden vertröstet, Aufgaben, die der oder die Betroffene erledigen müsste, werden übernommen. Viele Angehörige gehen dabei bis zur Selbstaufgabe. Die Betroffenen selbst bleiben so lange in dem Glauben ihren Alttag problemlos alleine meistern zu können. Ihr Konsum erscheint Ihnen deshalb nicht problematisch. Fällt diese Unterstützung weg, ist der oder die Süchtige gezwungen selbst die Verantwortung für das eigene (Fehl)verhalten zu übernehmen, Fehler einzugestehen und sich mit den Schwierigkeiten, die der Suchtmittelkonsum verursacht, selbst auseinander zu setzten. Eine solche Situation macht das Problem sichtbar und kann den Wunsch nach Veränderung und einer Reduktion des Konsums herbeiführen.
Als Eltern ist es wichtig authentisch zu bleiben und darauf zu achten, was man seinem Kind vorlebt. Klare Regeln und definierte Grenzen sind notwendig damit Jugendliche den Umgang mit Alkohol erlernen können. Konsequenzen sollten nur dann angekündigt werden, wenn diese bei klaren Regelverstößen folgen. Jedoch sind Konsequenzen nur dann sinnvoll, wenn sie praktikabel sind. Hilfreicher für das Erlernen neuer Verhaltenweisen sind Lob und Annerkennung bei erwünschtem Verhalten. Für Kinder und Jugendliche ist es enorm wichtig dass sie spüren, dass die Eltern sich für sie oder ihn interessieren, dass sie bei Problemen zuhören und diesen respektvoll begegnen. Klar und deutlich sollten Eltern ansprechen, wenn sie sich Sorgen über Alkohol, Drogen oder andere Suchtmittel machen und begründen warum sie dies tun. Schuldzuweisungen und Verdächtigungen sind nicht hilfreich, sondern fördern lediglich den Widerstand und führen zu Konfrontationen. Hilfe von außen kann unterstützend sein, wenn die Situation zu eskalieren droht und es Probleme gibt, die im familiären Rahmen nicht mehr geklärt werden können.
Alle Mitarbeiterinnen des Vereins FRAUEN SUCHT GESUNDHEIT e.V. unterliegen der Schweigepflicht. Im Gespräch entscheiden unsere Klientinnen selbst, was Sie erzählen möchten. Nur wenn Sie es selbst wünschen und Sie uns Ihr Einverständnis geben, leiten wir Informationen weiter (z.B. Hausärztin, Krankenkasse). Unsere Schweigepflicht gilt sowohl für das persönliche Gespräch in der Frauensuchtberatung Schleswig-Holstein als auch für die Beratung per Chat oder per E-Mail.

Alkohol in der Schwangerschaft

Bei einem Kinderwunsch sollte das Trinken von Alkohol eingeschränkt werden. Noch besser ist es, ganz darauf zu verzichten. Starker Alkoholkonsum kann die Fruchtbarkeit der Frau senken und beim Mann Fehler in der Erbinformation der Samenzellen verursachen.
Untersuchungen haben ergeben, dass ein erhöhtes Risiko von Fehlgeburten besteht, wenn zum Zeitpunkt der Zeugung stark getrunken wurde, sowohl von Frauen als auch von Männern. Das Risiko einer Fehlgeburt steigt bei übermäßigem Alkoholkonsum um das Doppelte bis Vierfache. Alkohol erschwert bei der Schwangeren die Aufnahme und Verwertung vieler wichtiger Nährstoffe und Vitamine.
Zu keinem Zeitpunkt der Schwangerschaft sollte Alkohol in irgendeiner Form zu sich genommen werden.
Jeder Mensch und wahrscheinlich auch jeder Embryo/ Fötus reagiert unterschiedlich auf Alkohol. Es gibt keine sichere Menge an Alkohol, die eine Frau während der Schwangerschaft trinken darf. Kein Alkoholspiegel hat sich bisher wissenschaftlich als unbedenklich erwiesen. Demnach wird empfohlen, während Schwangerschaft und Stillzeit völlig auf Alkohol zu verzichten.
Es gibt keine sichere Zeit in der Schwangerschaft, in der getrunken werden kann. Alkohol kann sich zu jeder Zeit schädlich auf das ungeborene Kind auswirken. In der Frühphase der Schwangerschaft kann es durch Alkohol vor allem zu schwerwiegenden körperlichen Schäden kommen. Im späteren Verlauf führt der Alkoholkonsum zu Wachstumsstörungen, neurologische Auffälligkeiten und intellektuelle Entwicklungsstörungen beim Ungeborenen. Episodenhaftes Trinken von Alkohol ruft eher spezifische Organschäden beim Embryo bzw. Fötus hervor, während chronischer Alkoholkonsum die gesamte Bandbreite organischer und verhaltensbiologischer Schädigungen hervorbringt.
Man schmeckt ihn nicht und er verursacht auch keinen Schwips. Bei Rumkugeln oder Weinsauerkraut weist die Bezeichnung auf Alkohol als einen Inhaltsstoff hin. Eine ganze Reihe von Lebensmitteln enthält Alkohol, wo wir ihn gar nicht vermuten. So lassen sich beispielsweise in vielen Fertigprodukten, Süßwaren, Speiseeis, Konfitüren und Toastbrot geringe Alkoholmengen finden. Pralinen, Torten, diverse Nachspeisen und Saucen können eine nicht zu unterschätzende Alkoholmenge enthalten. Beim Backen und Kochen verflüchtigt sich der Alkohol nicht vollständig, wie oft angenommen. Während bei abgepackten Waren aus dem Supermarkt die Inhaltsstoffe angegeben sind, müssen diese beim Bäcker oder im Restaurant erfragt werden. Auch überreife Bananen können bei entsprechender Menge fast an den Alkoholanteil eines kleinen Bieres herankommen. Angeblich alkoholfreie Biere, Weine oder Sekt haben meist einen Alkoholgehalt von 0,5 Prozent, da eine Kennzeichnungspflicht bei Getränken erst ab 1,2 Prozent Alkohol besteht. Grundsätzlich sollten Schwangere zum Wohle ihres Kindes auf alkoholhaltige Lebensmittel und Getränke verzichten.
Alkohol ist ein Zellgift, das unmittelbar den Blutkreislauf des ungeborenen Kindes erreicht. Er wirkt sich schädigend auf die Zell- und Organentwicklung aus. Das Ungeborene braucht zum Alkoholabbau zehnmal länger als die Mutter, da die kindliche Leber noch unreif ist und wichtige Enzyme zum Alkoholabbau nicht vorhanden sind.  
Alkohol ist die am häufigsten konsumierte Substanz in der Schwangerschaft, die Fehlbildungen beim Ungeborenen verursacht. Alkoholkonsum während der Schwangerschaft führt zu Beeinträchtigungen in der Organausbildung, im körperlichen Wachstum und zu erheblichen Schäden am Zentralen Nervensystem.
Unter dem Begriff FASD (Fetale Alkoholspektrums-Störung) werden alle Schädigungen des Ungeborenen durch den mütterlichen Alkoholkonsum während der Schwangerschaft zusammengefasst. Dazu zählen Wachstumsauffälligkeiten, typische Gesichtszüge, Fehlbildungen, Entwicklungs- und Verhaltensstörungen, Intelligenzminderungen sowie partielle und globale Alltagseinschränkungen.
Durch körperliche Missbildungen, Defizite in der geistigen Entwicklung und Verhaltensstörungen treten Probleme in allen Lebensphasen auf. Die Betroffenen leiden lebenslänglich an den Folgen und sind in vielen Bereichen auf Betreuung angewiesen. Ca. 70% der Menschen mit FASD können keinen regulären Beruf ausüben und fast die Hälfte machen Erfahrungen in der Psychiatrie oder im Gefängnis. 50% der FASD- Betroffenen erkranken an einer Sucht.
Wenn mit dem Alkohol der Stress abgebaut werden soll, müssen Alternativen gefunden werden. Wie wäre es zum Beispiel mit Sport, einem heißen Bad, entspannter Musik oder einem spannendem Buch? Gehört das Trinken zu einem allabendlichen Ritual so gibt es alkoholfreie Varianten, die Abwechslung ins Getränke-Angebot bringen können.
Eine Schwangere, die den Drang zum Alkoholkonsum verspürt, sollte keine Angst haben, um Unterstützung zu bitten. Sie kann sich vertrauensvoll an ihre Frauenärztin oder Hebamme wenden. Diese wissen meist, wo Sie vor Ort professionelle Hilfe erhalten. Suchtberatungsstellen sind mit der Thematik vertraut, es kann Ihnen meist schnell weiter geholfen werden. Die Gespräche sind in der Regel kostenfrei, unverbindlich und vertraulich. Ein schlechtes Gewissen, Schuld- und Schamgefühle sollten Sie nicht von einer Beratung abhalten. Es ist besser, sich der Verantwortung zu stellen und sich Fachkundigen anzuvertrauen, als die Gesundheit ihres Kindes zu riskieren.
Frauen lassen sich oft durch Männer zum Trinken verleiten oder trinken aus Sympathie mit. Deshalb sollten Situationen vermieden werden, in denen der Partner seine schwangere Frau zum Alkoholkonsum veranlassen könnte und vor allem sollte der Mann nicht zum Trinken auffordern. Als werdender Vater geht er mit gutem Beispiel voran, indem er selbst nur sehr wenig oder gar keinen Alkohol zu sich nimmt. Gemeinsam können Sie leckere Alternativen für alkoholfreie Cocktails ausprobieren, die eventuell dazu noch gesund sind.
Sobald Freunde und Angehörige von der Schwangerschaft wissen, sollten sie die Frau vor Situationen schützen, in denen es zum Alkoholkonsum kommen kann. Auch können sie die werdende Mutter darin bestärken „NEIN“ zum Alkohol zu sagen. Auf keinen Fall sollten sie die Schwangere zum Trinken veranlassen und stets alkoholfreie Alternativen bereitstellen, z.B. bei Feierlichkeiten oder besonderen Anlässen.

Cannabis

Die Pflanze um die es geht, ist Cannabis sativa, in Deutschland unter dem Namen Hanf bekannt. Für den Drogenkonsum wird nur die blühende weibliche Pflanze verwendet. Aus Teilen der Pflanze werden Marihuana und Haschisch als psychoaktive Substanz genutzt. Marihuana besteht aus getrockneten Blatt-, Blüten- und Stängelteilen der weiblichen Hanfpflanze, während das deutlich stärkere Haschisch aus dem Harz der Blütenstände gewonnen und mit Teilen der Blüten und Blätter vermengt wird. Marihuana wird oft als Gras oder Weed bezeichnet und Haschisch als Hasch, Shit, Dope oder Piece. Das Rauchen von Cannabis wird umgangssprachlich auch als „kiffen“ bezeichnet. Cannabis enthält 60 unterschiedliche Inhaltsstoffe. Neben dem THC (Tetrahydrocannabiol) ist dies CBD (Cannabidiol), das im Gegensatz zum THC nicht psychoaktiv wirkt. Der THC-Anteil ist für die typische Wirkung des Cannabis verantwortlich, Marihuana hat einen geringeren THC Gehalt als Haschisch. CBD-Produkte wie CBD-Öl oder CBD-Nahrungsergänzungsmittel sind frei verkäuflich, bei Einnahme hoher Dosen wird vor Schäden an der Leber gewarnt. CBD als Arzneimittel ist verschreibungspflichtig. Es wird bei Behandlung von epileptischen Syndromen, bei Angststörungen, Schmerzen und Entzündungen eingesetzt. Haschischöl ist ein konzentrierter Auszug des Harzes der Cannabis-Pflanze und kann einen hohen THC-Anteil enthalten. Es ist auf dem illegalen Markt selten erhältlich. Legal Highs sind mit künstlichen Cannabinoiden versetzt und gefährlich, weil die Inhaltsstoffe und die Wirkstoffmenge unbekannt sind. Legal Highs werden meist als „Räuchermischungen“, „Badesalze“ oder „Reiniger“ verkauft, um den eigentlichen Zweck der Produkte – den Konsum – zu verschleiern und rechtliche Bestimmungen des Betäubungsmittelgesetzes oder des Arzneimittelgesetzes zu umgehen.
Im KCanG, dem Konsumcannabisgesetz, wird seit dem 01.04.2024 im Rahmen einer Teil-Legalisierung der Besitz und Eigenanbau von Cannabis geregelt. Laut diesem Gesetz  dürfen volljährige Personen bis zu 25 Gramm Cannabis ohne Strafverfolgung mit sich führen, sofern dies für den persönlichen Konsum benutzt wird. Der Anbau von bis zu drei Pflanzen für den Eigenbedarf ist legal, und im eigenen Wohnraum ist der Besitz von 50 Gramm getrockneten Cannabis erlaubt. Der Konsum von Cannabis im öffentlichen Raum unterliegt Beschränkungen. Der Besitz und Anbau von Cannabis ist für Jugendliche verboten und die Weitergabe von Cannabis an Jugendliche wird bestraft.
THC wirkt, weil die Cannabinoide an spezielle Rezeptoren im Gehirn und in unserem Nervensystem andocken. Neben der berauschenden, euphorisierenden und psychoaktiven Wirkung, sind cannabinoide Rezeptoren in Zellen des Immunsystems, der Lunge, Milz, Haut, Knochen, dem Magen und Darmtrakt und in den Fortpflanzungsorganen zu finden. Wie stark und in welcher Weise THC wirkt, hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie z. B. der Konsumform, der Konsummenge, dem THC-Gehalt des Cannabis und der psychischen Befindlichkeit der Konsumierenden. Cannabis wirkt psychisch positiv wie negativ auf das Fühlen und Denken, das Gedächtnis, die Wahrnehmung, die Kommunikation und das Körpererleben. Zum positiven Spektrum zählt die Steigerung der Stimmung mit Gefühlen von Entspannung und Wohlbefinden. Zu den negativen Wirkungen gehören niedergedrückte Stimmung, psychomotorische Erregung, Unruhe, Angst und Panikreaktionen bis zu paranoiden Wahnvorstellungen. Die Hirnleistungsfähigkeit wird beeinflusst durch die Dauer und Intensität. Der im Jugendalter begonnene Konsum kann die kognitive Leistungsfähigkeit beeinflussen.
Das Rauchen von Cannabis stellt die am meisten praktizierte Aufnahmeform dar. Hierbei gibt es verschiedene Techniken, wie z. B. das Rauchen eines Joints, in dem Cannabis und Tabak zusammengerollt werden oder das Rauchen mit Hilfe einer Wasserpfeife („Bong“). Geraucht wird entweder Marihuana oder Haschisch. Beim Verdampfen wird nur Marihuana benutzt, meist mithilfe eines speziellen Gerätes, einem Vaporizer oder einer E-Shisha. Die Dämpfe gelangen so frei in den Raum und werden eingeatmet. Haschisch kann Nahrungsmitteln zugeführt und konsumiert werden. Dies geschieht vor allem in Form von Kuchen und Keksen, dessen Teig Haschisch beigefügt wird. Die Wirkung von oral verzehrtem Haschisch ist deutlich stärker als beispielsweise ein Joint und sie tritt später ein.
Cannabis wirkt bei jedem Menschen anders und jeder Rausch ist anders. Die Wirkung wird beeinflusst von der eigenen Stimmung, der Situation, der Menge und wie THC konsumiert wird. Zu den positiven Wirkungen gehört das Gefühl positiver Emotionen, sich mit anderen „eins“ zu fühlen, Albernheit und Ausgelassen sein und sich entspannt und leicht zu fühlen. Zu den negativen Wirkungen gehören Angst und Panikgefühle, Gefühle von Verwirrtheit, ein „Filmriss“ ist möglich, auch Halluzinationen – in denen man Dinge sieht, die gar nicht da sind. Körperliche Reaktionen wie Herzrasen, Übelkeit und Schwindel sowie Kreislaufprobleme sind möglich.
Besonders bei chronischem Konsum von Cannabis kann es zu einer psychischen Abhängigkeit kommen. Der Übergang vom Missbrauch zu einer Abhängigkeit verläuft fließend. Der Abhängigkeit geht meist ein langer und intensiver Konsum voraus. Die psychische Abhängigkeit von Cannabis entwickelt sich deshalb, weil Konsumentinnen immer häufiger in Versuchung geraten, schwierige Alltagssituationen und damit verbundene unangenehme Gefühle oder Gedanken durch das Kiffen auszublenden. Es entsteht bei den Konsumentinnen das Gefühl ohne Cannabis das Leben nicht mehr bewältigen zu können. Beim Absetzen von Cannabis können Entzugserscheinungen wie innere Leere, Freudlosigkeit, Antriebsmangel, Konzentrationsstörungen, Ängste, Schlafstörungen etc. entstehen. Laut der deutschen Hauptstelle für Suchtfragen ist die Voraussetzung für die Bildung einer (körperlichen) Abhängigkeit die sogenannte Toleranzbildung, d. h. die Zufuhr von immer höheren Dosen um die gleiche Wirkung zu erzielen.  Beim Absetzen von Cannabis können auch körperliche Entzugssymptome wie Schüttelfrost, Fieber, Kopfschmerzen etc. auftreten.
Bei den Langzeitfolgen wird unterschieden zwischen körperlichen und psychischen Folgen des Konsums. Der Konsum von Cannabis führt zu objektiven Leistungseinbußen durch verminderte kognitive Funktionen wie Aufmerksamkeit, Konzentration und Lernfähigkeit. Die Lungenfunktionen werden beeinträchtigt und die Gefahr von Lungenkrebs wird erhöht. Es wird vermutet dass der Cannabiskonsum in der Pubertät die Entwicklung verzögert und es Auswirkungen auf das Hormon- und Immunsystem geben könnte. Der langfristige Konsum von Cannabis kann zu einer psychischen Abhängigkeit führen, in deren Folge die Nutzerinnen den Anforderungen des Alltags wie Schule und Arbeit nicht mehr nachkommen können und sich zunehmend zurückziehen. Dies ist gekennzeichnet durch Teilnahmslosigkeit, Passivität, Gleichgültigkeit und Antriebsminderung, was besonders für die Entwicklung von jungen Menschen massive Auswirkungen haben kann, die sich in geringeren Ausbildungsabschlüssen, geringerem Einkommen und Lebensunzufriedenheit ausdrücken.
Seit einigen Jahren sind synthetische Cannabinoide auf dem Markt, die im Labor mit chemischen Substanzen hergestellt werden. Sie ahmen den Rausch von THC nach, sind jedoch in ihrer Wirkung verstärkt und können massive gesundheitliche Folgen haben,  z. B.  Vergiftungserscheinungen, Halluzinationen mit akuten Psychosen und lebensbedrohlichen Folgen für das Herz-Kreislauf System. Die synthetischen Cannabinoide werden auf CBD-haltiges Cannabis gesprüht oder mit Haschisch vermischt und sind für die Konsumierenden nicht zu erkennen. Sie werden illegal verkauft und die Konsumierenden erfahren nichts über die eigentlichen Inhaltsstoffe. Zu den synthetischen Cannabioniden zählen Bezeichnungen wie „Legal Highs“,  „Badesalz“ oder „Kräutermischungen“, die unter das neue Psychoaktive-Substanzen-Gesetz fallen und verboten sind. Vor dem Konsum von synthetischen Cannabioniden wird eindringlich gewarnt. Sie sind gefährlich, weil die Inhaltsstoffe und die Wirkstoffmenge unbekannt sind.
Substanzinduzierte Psychosen können durch den Konsum von Cannabis mit einem hohen THC-Anteil ausgelöst werden. Daraus kann sich eine Schizophrenie entwickeln. Neben dem THC-Anteil des Cannabis ist die Häufigkeit des Konsums ein weiterer Risikofaktor. Das Risiko der Entwicklung einer Schizophrenie ist bei chronischen THC Konsum höher als bei anderen Drogen. Neben einer genetischen Vorbelastung, wird vermutet, dass psychosozialer Stress in Verbindung mit dem Cannabiskonsum psychotische Symptome auslösen können. Neuere Studien belegen, dass der THC-Konsum das Risiko von psychotischen Episoden und Schizophrenie erhöht, besonders wenn der Konsum im Jugendalter begonnen wird. Als Ursache wird vermutet, dass die Cannabinoid-Rezeptoren die noch nicht abgeschlossene Gehirnentwicklung der Jugendlichen beeinflussen.
Der Anteil der Frauen die Cannabis konsumieren ist geringer als der von Männern. Dies schließt sowohl den einmaligen als auch den dauerhaften Konsum ein. Jedoch reagieren Frauen sensibler auf die Wirkung des Konsums und können schneller eine psychische Abhängigkeit entwickeln als Männer. Wie bei anderen Suchtformen auch, hat ein bedeutender Anteil der cannabisabhängigen Frauen in ihrem Leben sexuelle Übergriffe oder emotionale Vernachlässigung erfahren. Neben der Cannabisabhängigkeit besteht häufig eine weitere psychische Erkrankung z. B. eine Borderline-Persönlichkeitsstörung oder eine Posttraumatische Belastungsstörung (Doppeldiagnose). Traumatisierungen spielen bei Mädchen und Frauen oft auch im Zusammenhang mit Depressionen und Angsterkrankungen eine große Rolle. Der Cannabiskonsum dient in diesem Zusammenhang der Abschwächung negativer Erregungszustände sowie der Emotionsregulation. Des Weiteren beeinflusst der Cannabiskonsum die Fruchtbarkeit der Frauen, da der Wirkstoff THC die Zellteilung beeinflusst.
Wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihr Kind, Ihr/e PartnerIn oder Ihr/e FreundIn Cannabis konsumiert, können sie in einem persönlichen Gespräch Ihre Hilfe anbieten. Wichtig dabei ist, dass Sie Ihre eigenen Gefühle und Sorgen beschreiben und keine Schuldzuweisungen und Verurteilungen vornehmen. Der oder die Betroffene muss sich ernst genommen fühlen und auch die eigene Sicht der Dinge darlegen können. Um Unterstützung zu vermitteln, können Sie gerne auf eine Suchtberatungsstelle verweisen. Auch Sie selbst können einen Termin für eine Angehörigenberatung vereinbaren.
Seit 08/2024 gilt der neue Grenzwert für Cannabis am Steuer mit 3,5 Nanogramm THC pro Milliliter Blutserum. Wer diesen überschreitet riskiert Bußgeld und Fahrverbote. Bei Mischkonsum mit Alkohol erhöhen sich die Strafe. Innerhalb des Führerscheins auf Probe und bis zum 21. Lebensjahr gilt ein Cannabis-Verbot. Cannabiskonsum führt zu Leistungseinbußen bei der Wahrnehmung, der Aufmerksamkeit und dem Reaktionsvermögen. Deshalb ist besonders in den ersten zwei Stunden nach Konsum die Fahrtauglichkeit stark eingeschränkt, doch auch später kann es zu Beeinträchtigungen kommen. Besonders zu beachten ist, dass THC noch Tage und Wochen nach dem Konsum im Blut nachweisbar ist.
Cannabis kann auf Rezept bei Patientinnen mit schwerwiegenden Erkrankungen verordnet werden, bei denen alle Standard-Therapien ausgeschöpft wurden und diese nicht ausreichend wirksam waren. Dazu gehören chronische Schmerzen, Tumorerkrankungen, Spastik, Anorexie/Wasting, Multiple Sklerose, Übelkeit und Erbrechen. Die bisherigen Verordnungen betreffen 2/3 chronische Schmerzen als Indikation für eine Verschreibung durch den Hausarzt und Facharzt.

Medikamentenabhängigkeit

Die Medikamentenabhängigkeit ist nach der Tabakabhängigkeit das zweitgrößte Suchtproblem in Deutschland und steht somit noch vor der Alkoholabhängigkeit. Das Bundesgesundheitsministerium schätzt, dass ca. 1,4 – 2,3 Millionen Menschen medikamentenabhängig sind (Hrsg: Drogenbeauftragte der Bundesregierung Bundesministerium für Gesundheit Drogen- und Suchtbericht Berlin 2016 S.55). Etwa. 1,1 bis 1,2 Millionen schlucken regelmäßig Benzodiazepine, damit gehören diese zu den am häufigsten verschriebenen Schlaf-und Beruhigungsmitteln und stehen somit an der Spitze der missbräuchlichen Medikamente. 300.000 bis 400.000 Menschen sind abhängig von anderen Präparaten, insbesondere von Schmerzmitteln. 70% aller medikamentenabhängigen Menschen sind Frauen.
Medikamente (lateinisch medicamentum „Heilmittel“) sind Stoffe, die zur Heilung, Vorbeugung oder Linderung von Krankheiten dienen. Bei jeder Einnahme muss der individuelle Nutzen gegenüber dem Risiko abgewogen werden, denn es gibt keine Wirkung ohne Nebenwirkung oder wie Paracelsus es ausdrückte: „die Dosis macht das Gift.“ Medikamente können uns also vor Krankheiten schützen, Beschwerden lindern oder heilen und sogar lebensrettend sein, aber es können auch Nebenwirkungen auftreten und einige Medikamente können in eine Abhängigkeit führen.
Man nennt die Medikamentenabhängigkeit auch die stille Sucht, da die Abhängigkeit oft im Verborgenen und unauffällig bleibt. Es fehlt zum einen das Problembewusstsein (schließlich bekommt man die Medikamente ganz legal von seiner/seinem Ärztin/Arzt verschrieben) und zum anderen sind Betroffene regelrecht ruhig gestellt. So konsumieren Menschen jahrelang Medikamente, ohne dass es jemand bemerkt, weil sie nicht auffallen, weder Lärm noch Probleme machen.
Die Entstehung einer Abhängigkeit lässt sich verhindern, wenn man die 4-K-Regel befolgt: A) Klare Indikation: Nehmen Sie das Medikament nur ein, wenn eine eindeutige medizinische Indikation besteht. B) Kleinste notwendige Dosis: Nehmen Sie nur so viel wie nötig und so wenig wie möglich ein. C) Kurze Anwendung: Nehmen Sie das Medikament nur überbrückend und nur für kurze Zeit. Eine Abhängigkeit von Benzodiazepinen kann bereits nach drei Wochen entstehen. D) Kein abruptes Absetzen: Hören sie nicht einfach mit der Einnahme auf, sondern verringern Sie die Dosis langsam in Absprache mit ihrer/ihrem Ärztin/Arzt.
A) Die sogenannten Tranquilizer, das sind Schlaf- (Hypnotika) und Beruhigungsmittel (Sedativa), darunter fallen insbesondere Benzodiazepine und deren Analoga. B) Schmerzmittel (Analgetika), von leichten freiverkäuflichen Mitteln bis hin zu stärkeren Opiaten/Opioiden. C) Anregungs- und Aufputschmittel (Stimulanzien, wie z.B. Methylphenidat, bekannt unter dem Namen Ritalin®, Ephedrin, Koffeintabletten)
A) Schlaf-und Beruhigungsmittel: werden bei verschiedenen Schlafstörungen, Angststörungen, Erregungs-, Spannungs- und Unruhezuständen, sowie bei psychotischen Symptomen verschrieben oder auch als Beruhigungsmittel vor operativen Eingriffen angesetzt. Darunter fallen die häufig verschriebenen Benzodiazepine (zum Beispiel: Bromazepam, Brotizolam, Diazepam [bekannt unter dem Namen Valium®], Flunitrazepam, Lormetazepam, Lorazepam, Nitrazepam, Oxazepam, Temazepam, Tetrazepam und Triazolam) und deren Analoga (bekannt unter dem Namen: Z-Drugs, wegen der Wirkstoffe: Zolpidem, Zopiclon). Aufgrund ihrer Wirkung werden sie auch als Tranquilizer (engl. to tranquillize = beruhigen) bezeichnet. B) Schmerzmittel: sind Stoffe, die schmerzlindernd wirken. Sie werden bei vielen verschiedenen Beschwerden eingenommen und zählen deshalb zu den am häufigsten verwendeten Arzneimitteln. Leichte Schmerzmittel (zum Beispiel: Paracetamol, Ibuprofen, Acetylsalicylsäure [bekannt unter dem Namen Aspirin®] etc.) werden vor allem zur Behandlung von Schmerzen, Fieber und Entzündungen eingesetzt und bei gelegentlichen, leichten bis mittelschweren Schmerzen empfohlen. Häufig werden sie bei Kopfschmerzen, besonders bei Migräne und Spannungskopfschmerzen, aber auch nach Schädel-Hirn Trauma oder Schleudertrauma verschrieben. PatientInnen, die Schmerzmittel aufgrund der eben genannten Beschwerden einnehmen, sind besonders gefährdet in eine Abhängigkeit zu geraten, denn bei häufiger Einnahme kann es durch die Medikamente zu einem dumpf drückenden Dauerkopfschmerz kommen und somit zu weiterer Einnahme von Schmerzmitteln. Stärkere Schmerzmittel, Opiate und Opioide, werden oft bei chronischen Schmerzen und schweren Schmerzzuständen verschrieben, z.B. bei Rückenschmerzen, Schmerzen des Bewegungsapparates und somatoformen Störungen (körperliche Beschwerden, die sich nicht oder nicht hinreichend auf eine organische Erkrankung zurückführen lassen). C) Anregungs- und Aufputschmittel Methylphenidat (Ritalin®): wird Kindern verabreicht, bei denen eine Aufmerksamkeitsdefizit- und/ oder Hyperaktivitätsstörung diagnostiziert wurde. Der Wirkstoff ist dem Betäubungsmittelgesetz (BtMG) unterstellt. Es wurde von Fällen berichtet, bei denen Mütter die Medikamente ihrer Kinder einnahmen, die gegen ADHS/ADS behandelt werden, um der Belastung standzuhalten. Der Gesundheitsreport 2009 der DAK weist explizit auf das Phänomen des Neuro-Enhancement, das sogenannte „Gehirndoping“ hin, das aus den USA inzwischen nach Deutschland „geschwappt“ ist. Damit ist die Einnahme psychoaktiver Substanzen durch Gesunde mit dem Ziel der Verbesserung der eigenen kognitiven Leistungsfähigkeit gemeint. Stimulanzien werden eingenommen, um besser zu funktionieren. Der Leistungsdruck in unserer Gesellschaft wird immer stärker, Frauen sind auf Grund von Mehrfachbelastungen (Beruf und Kinder) gefährdet in eine Abhängigkeit von aufputschenden Mitteln zu geraten. Ephedrin: wird zumeist mit anderen Wirkstoffen kombiniert angewendet und kommt als Zusatzstoff in Schmerz-, Erkältungs- und Asthmamitteln vor. Es findet Verwendung gegen Hypotonie, Bronchitis und Asthma bronchiale, zur Abschwellung der Schleimhäute bei Schnupfen sowie als Bestandteil von Appetitzüglern. Koffeintabletten: sollten nicht unterschätzt werden. Sie werden eingenommen, um sich aufzuputschen, besser durchhalten zu können oder auch um Hungergefühle zu unterdrücken. Die Gefahr ist, dass besonders junge Menschen durch Einnahme von Medikamenten lernen ihre natürlichen Bedürfnisse nach Schlaf und Nahrung zu kontrollieren und zu unterdrücken, um z.B. in der Schule wacher zu sein. Besonders gefährdet sind junge Frauen, die mit Hilfe solcher Mittel versuchen ihr Körpergewicht zu reduzieren.
Lesen Sie immer den Beipackzettel, um einen mündigen, informierten und verantwortungsvollen Umgang mit Ihren Medikamenten zu pflegen (über die richtige Einnahme, Nebenwirkungen, Warnhinweise, Verfallsdatum etc.). Beachten Sie auch Wechselwirkungen mit anderen Wirkstoffen (beachten Sie welche Medikamente Sie einnehmen und geben Sie diese bei einem Arztbesuch an) und vermeiden Sie zusätzlichen Alkoholkonsum, dies ist eine riskante Mischung und kann lebensbedrohliche Folgen haben, sowie das Abhängigkeitspotenzial verstärken. A) Benzodiazepine: wirken angstlösend, krampflösend, muskelentspannend, beruhigend, dämpfend und schlafanstoßend, teils auch stimmungsaufhellend und euphorisierend (je nach Dosierung und Einnahme). Nebenwirkungen: Auf Grund der langen Wirkdauer dieser Medikamente kann es zu einem Hang-over-effekt am nächsten Tag kommen (verminderte Reaktionsfähigkeit, Müdigkeit, Gleichgewichtsstörungen).Außerdem kann es bereits nach einigen Wochen vermehrt zu folgenden Nebenwirkungen kommen: Unruhe, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Körpermissempfindungen, Reizüberempfindlichkeit, sowie Trittunsicherheit mit Sturzgefahr. B) Schmerzmittel Leichte Schmerzmittel wirken am Entstehungsort (äußeres Nervensystem). Sie wirken schmerzlindernd, fiebersenkend und teilweise entzündungshemmend. Starke Mittel wirken im zentralen Nervensystem (Rückenmark/Gehirn), in dem sie die Weiterleitung von Schmerzimpulsen unterdrücken, dazu zählen die Opiate und opiatähnliche – opioide Analgetika. Diese fallen meist unter das Betäubungsmittelgesetz (BtMG). Opiate stammen chemisch vom Opium ab (Morphin, Codein). Opioide werden synthetisch hergestellt und haben morphinartige Eigenschaften. Bei Behandlung von schweren Schmerzzuständen können sie die Lebensqualität der Betroffenen deutlich steigern. Die Mittel verringern neben der schmerzlindernden Wirkung die geistige Aktivität (Sedierung), sie beseitigen außerdem Angst-und Konfliktgefühle und beeinflussen die Stimmungslage (meist euphorisierend, „angenehme Gleichgültigkeit“, aber auch verschlechternd). Nebenwirkungen: Opiate und Opioide sollten nicht unbedacht verschrieben werden, da sie ein hohes Suchtpotenzial haben. Bei richtiger Anwendung unter ärztlicher Kontrolle sollen sie aber selten zur Abhängigkeit führen. Aber auch der Konsum von leichten, freiverkäuflichen Schmerzmitteln kann beim missbräuchlichen Konsum zu Abhängigkeit führen. Oft entsteht ein Teufelskreis: Medikamente gegen Kopfschmerzen können schon bei leichter Überdosierung selbst Kopfschmerzen verursachen und zu erneuter Einnahme von Medikamenten führen. Besonders gefährlich sind Schmerzmittel, sogenannte Mischanalgetika, denen zusätzlich Wirkstoffe, wie Koffein, Codein oder Ephedrin beigefügt wurden. Diese stimulieren neben der scherzlindernden Wirkung die Psyche und dies birgt ein erhöhtes Suchtpotenzial. Der bessere Wirkeffekt wurde nicht bewiesen. Bei einer Gewöhnung kommt es zum Entzugskopfschmerz und es tritt ein starkes Bedürfnis auf erneut das Medikament einzunehmen. Außerdem verstärken sich die Nebenwirkungen je mehr Wirkstoffe in einem Präparat kombiniert sind, im Extremfall kann es zu Nierenversagen führen. Nehmen Sie deshalb bei Schmerzen ein Medikament mit nur einem Wirkstoff ein. C) Anregungs- und Aufputschmittel Methylphenidat (Ritalin®): Wirkung beim Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom (ADHS): Die Ursachen von ADHS sind nicht vollständig geklärt, man geht von verschiedenen Faktoren aus, die zusammen spielen (z.B. genetische und familiäre Bedingungen). Die Forschung nimmt an, dass ein Faktor bei ADHS-Erkrankten darin besteht, dass ein Mangel an Dopamin im Gehirn vorliegt. Dopamin ist ein Botenstoff, der für die Informationsübertragung zwischen bestimmten Nervenzellen zuständig ist. Ritalin soll die Wiederaufnahme des Botenstoffes hemmen und sorgt somit für eine erhöhte Dopaminkonzentration. Dadurch sollen sich die Betroffenen besser konzentrieren und ruhiger werden können. Es wird davon ausgegangen, dass bei fachgerechter medikamentöser Therapie keine Abhängigkeit entsteht. Allerdings sollte man Methylphenidat nicht plötzlich absetzen, da dies unter Umständen zu Absetzerscheinungen wie etwa verstärkter Hyperaktivität, Gereiztheit oder depressiver Verstimmung führen kann. Wird das Medikament allerdings missbräuchlich eingenommen, z.B. als Dopingmittel, kann es schnell zu einer Abhängigkeit kommen. Bei Menschen ohne ADHS wirkt Ritalin anregend und antriebssteigernd, es unterdrückt Müdigkeit und das Schlafbedürfnis, dämpft Hungergefühle, sorgt für ein Gefühl erhöhter Leistungsbereitschaft und Konzentrationsfähigkeit, es kann leichte Euphorie auslösen und das Selbstbewusstsein erhöhen oder auch sexuelle Stimulation hervorrufen. Nach dem Abklingen der Wirkung verschlechtert sich die Stimmung. Die Wirkung lässt bei langandauernder Einnahme nach (Toleranzentwicklung), um eine Wirkung zu erzielen, muss die Dosis gesteigert werden. Nebenwirkungen: Häufig Appetitlosigkeit, Angstgefühle, anfängliche Schlafstörungen, depressive Verstimmung, Nervosität, Unruhe, Agitiertheit, Aggressionen, Zähneknirschen, Depressionen, verminderte Libido, Verwirrung, Spannung, Schwindelgefühl, Zittern, Ameisenlaufen, Dämpfung, Spannungskopfschmerzen, verschwommenes Sehen, Schmerzen in Nasen-Rachenraum, Magendarmbeschwerden, übermäßiges Schwitzen, Juckreiz, Haarausfall, Nesselsucht, Muskelspannung, verstärkte Reizbarkeit und Aggressivität, Gewichtsverlust, Muskelzuckungen (Tic), emotionale Labilität, Suizidgedanken, Herz-Kreislaufstörungen, Erhöhung des Blutdruckes. Bei nachlassender Wirkung können depressive und ängstliche Symptome auftreten. Bei missbräuchlichem Gebrauch können vermehrt Krampfanfälle, Herzrhythmusstörungen, Kopfschmerzen und Verwirrtheit auftreten, so wie Angstzustände, Wahnvorstellungen oder Aggressivität bis hin zu Halluzinationen und plötzlichen Todesfällen. Außerdem kann sich bei missbräuchlichem Konsum eine psychische Abhängigkeit entwickeln. Ephedrin: ist der Hauptwirkstoff der Ephedra-Pflanze, auch bekannt als Mormonentee, Meerträubel oder Ma-Huang und wirkt kreislaufstimulierend, antriebs- und leistungssteigernd, appetit-hemmend, blutdrucksteigernd, herzstimulierend, bronchienerweiternd und entspannend. Es kommt zu einem erhöhten Mitteilungsbedürfnis und Bewegungsdrang. Ephedrin hat eine ähnliche Wirkung wie Speed, allerdings wesentlich schwächer. Nebenwirkungen: Bereits bei niedrigen Dosierungen können Herzklopfen, Unruhe, Mundtrockenheit, Schlafstörungen und Pupillenweiterung auftreten. Mit steigender Dosis kann es zu Herzrasen, Herzrhythmusstörungen, erhöhten Blutdruck, Schlaflosigkeit, Schweißausbrüchen, Zittern, Übelkeit, Pulsrasen, Atemschwierigkeiten, Nervosität, Verwirrung, Verfolgungswahn, Angst, Halluzinationen, Delirium und Kopfschmerzen kommen, selten zu Krämpfen. Es gehört eher zu den schwachen Suchtstoffen, kann bei Missbrauch aber zu einer Abhängigkeit führen. Koffeintabletten: putschen auf, machen wach, steigern die Konzentration und können Hungergefühle unterdrücken. Koffein gilt auch als eine legale Psychodroge, da es anregend auf das zentrale Nervensystem wirkt. Nebenwirkungen: Wird Koffein in größeren Mengen konsumiert, kann es zu einer Reihe von Nebenwirkungen kommen. Dazu gehören unter anderem Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Nervosität oder Magen-Darm-Beschwerden. Bei Überdosierung kann es zu Durchfall, Zittern, erhöhter Puls, Schlaflosigkeit, Herzrasen, seelischer Erregung, bis hin zu Angstzuständen, Albträumen und sogar halluzinatorischen Zuständen kommen. Da der Körper sich schnell an die Zufuhr des Koffeins gewöhnt, kann es bei Einstellung des Konsums zu Entzugserscheinungen kommen.
A) Schlaf-und Beruhigungsmittel: können in akuten Krisen helfen. Sie sollten aber nur in einem kurzen Zeitraum benutzt werden, denn sie schaffen für den Moment zwar Erleichterung, sie können aber nicht die Ursachen von Belastungen und Schwierigkeiten lösen. Benzodiazepine sollten nie länger als ein bis zwei Wochen eingenommen werden, denn diese machen sehr schnell abhängig. Eine Abhängigkeit von Benzodiazepinen kann bereits nach drei Wochen entstehen, auch bei gleich bleibend niedriger Dosierung. B) Leichte Schmerzmittel: werden entweder zu hoch dosiert oder zu häufig eingenommen. Als zu häufig wird die Einnahme an mehr als 15 Tagen eines Monats definiert. Die Einnahme von Opiaten und Opioiden bei akuter und chronischer Schmerzbehandlung führt in der Regel unter kontrollierten therapeutischen Bedingungen nicht zu einer Suchtentwicklung. Es gibt aber die Gefahr des Missbrauches (vor allem wenn der Konsum nicht der Schmerzlinderung dient, sondern auf die euphorisierende Wirkung abzielt) und damit verbunden eine Abhängigkeitsgefahr. Aufgrund der schnellen Gewöhnung und Toleranzentwicklung kann es schon nach schon wenigen Verabreichungen zu einer Abhängigkeit kommen. C) Anregungs- und Aufputschmittel Methylphenidat (Ritalin®): darf nur bei eindeutiger Indikation unter ärztlicher Kontrolle eingenommen werden und niemals missbräuchlich konsumiert werden, auf Grund der gesundheitlichen Risiken und der großen Abhängigkeitsgefahr. Ephedrin: kann bei regelmäßigem Konsum zu einer psychischen Abhängigkeit führen. Koffeintabletten: Koffein macht sehr schnell abhängig, weil der Körper sich schnell an den Wirkstoff gewöhnt. Bei Koffeintabletten steigt die Gefahr einer Überdosierung.
Regelmäßige Einnahme kann zu Toleranzentwicklung und Abhängigkeit führen. A) Schlaf und Beruhigungsmittel (vor allem Benzodiazepine): Körperliche Folgen: allgemeine körperliche Verlangsamung, verminderte Leistungsfähigkeit, Bewegungsunsicherheit, vermindertes Reaktionsvermögen, Konzentrationsschwierigkeiten, Einschränkung von Gedächtnis und Merkfähigkeit, Sprachstörungen, verminderte Libido bis hin zu verschiedenen Organschäden, wie Magenerkrankungen, Leberschäden, Nierenversagen. Hinzu kommt, dass ein Absetzen des Präparats mit quälenden Entzugserscheinungen einhergeht, die sich in einem klassischen Entzugsdelirium oder einer Entzugspsychose mit Krampfanfällen äußern können. Außerdem ist die Unfall- und Sturzgefahr erhöht (siehe Folgen im Alter). Psychische Folgen: seelische Verlangsamung, Gleichgültigkeit, Interessenlosigkeit, Verflachung von Gefühlen, Einschränkung von Gedächtnis und Merkfähigkeit, Stimmungsschwankungen bis hin zu Depressionen und Ängsten Soziale Folgen: Einschränkung des Soziallebens, nicht selten treten Beziehungsprobleme auf, die bis zum Verlust der/des Partnerin/Partners führen können. B) Schmerzmittel: Bei leichten Schmerzmitteln kann es neben dem Dauerkopfschmerz zu zahlreichen Nebenwirkungen im Bereich des Magen-Darm-Traktes und im Bereich des Nierensystems kommen, sowie zu Organschäden, insbesondere schwere Nieren- und Leberschäden. Opiate/Opioide haben eine hohe Gefahr der psychischen Gewöhnung, schnellen Toleranzbildung und der physischen Abhängigkeit mit Entzugssymptomatik beim Absetzen. Da sich bei der Einnahme von Opiaten/Opioiden eine „angenehme Gleichgültigkeit“ einstellt, kann es zu Interessenminderung und Antriebsverlust führen. Dies kann soziale Folgen haben und sich negativ auf berufliche und private Anforderungen auswirken. Außerdem kann es zu psychischen Folgen, wie verminderter Denkfähigkeit, mangelndem Selbstvertrauen, Wahnideen, Psychosen, fehlender Empathiefähigkeit und gereizten Zuständen kommen. Körperliche Folgen: Sedierung, Herabsetzen der Leistungsfähigkeit, Kreislaufregulationsstörungen mit plötzlichem Blutdruckabfall (nach raschem Aufstehen), Schwindel bis hin zu Bewusstlosigkeit, Verstopfung, verlangsamten Herzschlag, Mundtrockenheit und Miosis (Engstellung der Pupille). Bei einer Überdosierung von Schmerzmitteln kann es zu Atemlähmung oder zu Herz-Kreislauf-Stillständen kommen die zum Tode führen können. C) Anregungs- und Aufputschmittel Methylphenidat (Ritalin®): Das Abhängigkeitspotenzial von Stimulanzien ist allgemein als hoch einzuschätzen. Häufig kommt es zu Gewichtsverlust, Konzentrationsschwäche und Schlafstörungen. Eine Überdosierung kann Psychosen und epileptische Anfälle auslösen. Bei längerem Schlafentzug (durch die Wirkung des Methylphenidat) kann es Halluzinationen und Wahnvorstellungen kommen. Bei längerer Einnahme steigen die Risiken kardialer Probleme, wie Herzrhythmusstörungen, bis hin zu Herzinfarkten und Schlaganfällen. Außerdem kann es zu Entzündung und/oder Verschluss von Blutgefäßen des Gehirns, gestörter Leberfunktion, Zerstörung der Nasenschleimhaut (wenn es geschnupft wird), geringer/verzögerter Wachstumsgeschwindigkeit, Angina pectoris, Muskelkrämpfen, Blutarmut (Anämie), Gehirnschäden, Gehirnschlag und möglicherweise Epilepsie kommen, allgemein führt langfristiger Missbrauch zum körperlichen Verfall. Ephedrin: Bei längerer Einnahme kann es neben den genannten Nebenwirkungen durch die appetithemmende Wirkung zu Gewichtsverlust kommen. Außerdem kann es zu sexuellen Störungen kommen. Bei häufigem Konsum stellt sich in der Regel eine Gewöhnung oder Toleranzentwicklung ein und es kann zu einem „Hang-over“ kommen, der mit Niedergeschlagenheit, Schlafstörungen, dauerhaftem Schwächegefühl und Mattheit einhergeht. Bei Dauerkonsum kommt es zu einer Beeinträchtigung der Gedächtnisleistung und Konzentrationsfähigkeit, Nervosität, Gereiztheit, aggressivem Verhalten, Bluthochdruck, Herzrhytmusstörungen, schlechten Zähnen, Leber- und Nierenschäden und psychischen Störungen (Psychose, Verfolgungswahn). Bei regelmäßigem Ephedrinkonsum kann es zu einer psychischen Abhängigkeit kommen. Koffeintabletten: Bei einer Überdosierung von Koffein kann es zu einem allgemeinen Unwohlsein bzw. überhöhter Nervosität bis hin zu einem sogenannten Koffeinschock kommen, dabei können starke Erregungszustände, Delirium und Krämpfe auftreten. Danach kommt es zu einer heftigen Abklingphase mit starker Müdigkeit. Im Zweifelsfall sollte eine/ein Ärztin/Arzt konsultiert werden. Koffein gilt als eine legale Droge. Die Abhängigkeit äußert sich wie bei anderen Drogen in der Toleranz gegenüber dem Wirkstoff. Der Körper gewöhnt sich sehr schnell an das Koffein und reagiert beim Absetzen mit Entzugserscheinungen, wie Reizbarkeit, Kopfschmerzen, Übelkeit, mangelnde Konzentrationsfähigkeit, Unlustgefühle, leichte Depressionen, Müdigkeit und Antriebslosigkeit.
Nach längerer, regelmäßiger Einnahme können beim Absetzen von Medikamenten quälende, langanhaltende Entzugserscheinungen auftreten, wie Zittern, Schwitzen, Frieren, Herzrasen, Unruhe, starke Ängste, depressive Verstimmungen, Psychosen, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Fieber, Gliederschmerzen, Halluzinationen bis hin zu Krampfanfällen. Eine weitere Gefahr ist, dass es zum Rebound-Effekt kommen kann, es treten dann verstärkt die Ausgangsbeschwerden wieder auf. Deshalb dürfen Medikamente nie abrupt abgesetzt werden, sondern müssen unter ärztlicher Aufsicht „ausgeschlichen“ werden. Ein Teil der Abhängigkeiten bewegt sich im Rahmen der ärztlichen Verordnung (Niedrigdosisabhängigkeit) und wird erst beim Absetzen des Medikaments deutlich. Die auftretenden Entzugserscheinungen können dann als die Beschwerden auftreten, gegen die die Medikamente ursprünglich helfen sollten. Die Entzugszeichen werden somit als Krankheitssymptome interpretiert. Das führt dazu, dass weiter Tabletten eingenommen werden, um die Entzugserscheinungen zu lindern, ohne dass dies den Betroffenen bewusst wäre. Ein Teufelskreis entsteht.
Eine Abhängigkeit entwickelt sich schleichend. Da die Medikamente von ÄrztInnen verschrieben werden, um Beschwerden zu behandeln, ist ein Problembewusstsein über mögliche Abhängigkeit schwierig. Oft bleiben psychosomatische Zusammenhänge der Beschwerden unerkannt und Symptome werden versucht mit Medikamenten zu unterdrücken. Verbreitet ist bei Benzodiazepinen die Niedrigdosisabhängigkeit, d.h. dass über längere Zeit eine im therapeutischen Bereich liegende Dosis oder höchstens eine leichte darüber liegende eingenommen wird. Es kommt somit zu keiner Dosissteigerung, aber es kann trotzdem zu einer Verstärkung (Kumulation) des Wirkstoffes im Körper kommen. Hat der Wirkstoff sich bis zur erneuten Einnahme noch nicht vollständig abgebaut, bleibt ein Rest über und erhöht somit die Dosis und Wirkung. Viele Betroffene sind sich dessen und in auch ihrer Abhängigkeit nicht bewusst und wissen wenig über die Folgen des Dauergebrauchs. So wird Medikamentenabhängigkeit häufig erst in einem späten Stadium der Erkrankung erkannt, denn der Übergang vom Gebrauch zum Missbrauch und zur Abhängigkeit ist fließend und das Ursachengefüge für eine Medikamentenabhängigkeit sehr komplex.
Typische Anzeichen von Medikamentenabhängigkeit:
  • Ich nehme das Medikament weder aus Krankheits-, noch aus situationsbezogenen Gründen ein.
  • Ich benutze das Medikament, um bestimmte Gefühle zu betäuben oder herbeizuführen.
  • Bei bestimmten seelischen oder körperlichen Belastungen habe ich ein starkes Verlangen nach meinem Medikament.
  • Ich nehme das Medikament schon vor Auftreten der Beschwerden ein.
  • Ich merke, dass mein Medikament nicht mehr so wirkt wie früher bzw. muss ich immer mehr Tabletten einnehmen, um die gleiche Wirkung zu spüren (Toleranzentwicklung).
  • Ich verheimliche vor Anderen, wie viele Tabletten ich tatsächlich einnehme.
  • Ich bagatellisiere meinen Konsum, weil ich Sorge habe, dass meine/mein Ärztin/Arzt mir kein Rezept mehr ausstellen könnte.
  • Ich suche verschiedener Arztpraxen auf, um die Medikamente verschrieben zu bekommen, sowie verschiedene Apotheken zum Einlösen der Rezepte bzw. zum Kauf der Medikamente.
  • Ich habe mir mein Medikament auch schon von anderen Menschen besorgen lassen, um an Nachschub zu kommen.
  • Ich nehme mehrere Schlaf-, Beruhigungs- oder Schmerzmittel nebeneinander.
  • Meine/meinen Ärztin/Arzt oder ApothekerIn haben mich bereits wegen meines Medikamentenkonsums angesprochen.
  • Vorsichtshalber habe ich mir einen Vorrat meines Medikaments angelegt.
  • Ich habe Entzugssymptome beim Absetzen des Medikaments, z. B. Zittern, Schwitzen, Herzrasen, Unruhe, Angstzustände, depressive Verstimmungen, Halluzinationen, Krämpfe etc.
Viele Frauen nehmen Medikamente, weil sie unter Ängsten, Schlafstörungen oder Spannungszuständen leiden, aufgrund von belasteten Lebensumständen, wie Mehrfachbelastungen (Beruf und Kinder), Gewalterfahrungen oder traumatischen Erlebnissen. Zwei Drittel der Medikamentenabhängigen sind Frauen. Etwa 20% aller Frauen in Deutschland werden Medikamente mit Abhängigkeitspotenzial verschrieben. Ab dem 40. Lebensjahr steigt die Zahl der Betroffenen sprunghaft an. Vom 60. Lebensjahr an kann die Medikamentenabhängigkeit als verbreitetes Phänomen bezeichnet werden.
Zum einen geht man davon aus, dass Frauen schneller eine/einen Ärztin/Arzt bei Krankheiten und Beschwerden aufsuchen, da sie erstens durch regelmäßige Besuche bei GynäkologInnen (Menstruation, Verhütung, Schwangerschaft) schon früh regelmäßigen Kontakt zu ÄrztInnen haben und es ihnen zweitens auf Grund ihrer geschlechtsspezifischen Erziehung leichter fallen könnte über ihre psychische Probleme zu sprechen. Zum anderen liegt es aber nicht nur an der geschlechtsspezifischen Sozialisation von Frauen, sondern auch an einer Gesellschaft, die immer noch von einer Sichtweise geprägt ist, die Männer als Maßstab versteht. So werden Medikamente häufig an jungen gesunden Männern getestet, ohne zu beachten, dass Frauen, Kinder und ältere Menschen Medikamente anders verstoffwechseln (der Hormonhaushalt spielt auch eine Rolle, so kann sich die Verarbeitung der Wirkstoffe in den verschiedenen Phasen des Menstruationszyklus oder in den Wechseljahren unterscheiden) , so erhalten sie häufig zu hohe Dosierungen. Außerdem werden Frauen mit ihren Problemen oft nicht ernstgenommen, sie seien labil, würden zu Übertreibungen neigen, werden als hysterisch bezeichnet und müssten deshalb ruhig gestellt werden – mit Hilfe von Medikamenten. Eine Werbung (Pharmafirma Hoffmann LaRoche) für Benzodiazepine aus den 70er Jahren verdeutlicht das, was noch heute ein Blick auf Probleme von Frauen zu sein scheint, schaut man sich die Verschreibungszahlen an: „Keine Scheinlösung für Probleme, sondern eine Lösung für Scheinprobleme.“ Frauen bekommen wesentlich öfter Medikamente verschrieben, wenn sie von Schlafstörungen und psychischen Belastungen berichten als Männer, ihnen wird zum Beispiel eher zum Sport machen geraten. Aber auch frauenspezifische Erfahrungen im Bereich der sexualisierten und häuslichen Gewalt, Traumata und ihre Folgen, wie Schlafstörungen, Depressionen, Angststörungen etc. führen dazu, dass Medikamente eingenommen werden, um Symptome zu lindern. Außerdem trägt auch der gesellschaftliche Wandel dazu bei, dass die Anforderungen an Frauen immer höher werden. Immer mehr berufstätige Frauen leisten zusätzliche Arbeit in der „produktiven“ Sphäre bei bleibender Arbeit im „reproduktiven“ Bereich, das führt zur Doppelbelastung. Denn reproduktive Arbeit wird immer noch hauptsächlich von Frauen geleistet (Haushalt, Kindererziehung, emotionale Beziehungsarbeit, Essensversorgung, Pflege von Angehörigen, Fürsorge etc.). Sie erfahren wenig Entlastung von Partnern und von staatlicher Seite (Kita, Kinderbetreuung etc.). Medikamentenkonsum soll die Leistung erhöhen, um der Mehrfachbelastung standhalten zu können. Dieser bleibt sozial unsichtbar, lässt sich gut im Alltag integrieren und sorgt dafür, dass Frauen nicht aus ihrer Rolle fallen und funktionieren.
Ein Drittel der Medikamentenabhängigen ist älter als 70, die Mehrheit über 50. Das liegt daran, dass natürliche Lebensphasen und hormonelle Veränderungen von Frauen pathologisiert werden. Phänomene des Älterwerdens werden besonders von Frauen als defizitär empfunden. Die Medizin spricht von Hormonmangel, wo kein Mangel ist, sondern altersentsprechende Veränderungen vor sich gehen. Symptome wie Unruhe, Ängste, Stimmungsschwankungen und Niedergeschlagenheit sind die Symptome, mit denen Frauen die Praxen aufsuchen, mit dem Ziel weiter zu funktionieren wie bisher. Es fehlt vor allem an Aufklärung z.B. über veränderte Schlafbedürfnisse im Alter und alternative Methoden der Selbsthilfe auch gegen andere Befindlichkeitsstörungen. Weil ältere Menschen oft verschiedene Medikamente einnehmen, kommt es zu Wechselwirkungen. Das führt zu sogenannten Hang-over-Effekten und zu ständig steigenden Wirkstoffkonzentrationen, deren Folge häufig neue Verordnungen sind. Die Folgen sind Benommenheit und Schwindel, Abstumpfung, Konzentrationsstörungen, Verwirrung, Depressionen, sozialer Rückzug. Dies führt zu beträchtlichen Einbußen an Lebensqualität. Außerdem kommt es häufig zu Stürzen und Unfällen mit Knochenbrüchen. Ein Drittel aller Oberschenkelfrakturen sind auf die Einnahme von Medikamenten zurückzuführen. Suchtfördernde Faktoren bei älteren Frauen:
  • Frauen erfahren „Aussonderung“ schon im mittleren Lebensalter und erleben ihren Alterungsprozess häufig krisenhaft. Der Verlust der jugendlichen Attraktivität wird als bedrohlich erlebt.
  • Häufig ist das Klimakterium mit vielfältigen Befindlichkeitsstörungen Einstiegszeit für den missbräuchlichen Konsum von Alkohol und Medikamenten.
  • Der Lebensabschnitt Alter wird immer länger, aber es wird kein Umgang mit dieser Lebensphase eingeübt.
  • Frauen sind auch heute noch maßgeblich auf Beziehungsarbeit fixiert, Trennungen werden als traumatisch erlebt (Auszug der Kinder, Scheidung oder Verlust der/des Partnerin/Partners) und dem eigenen Versagen zugeschrieben (Leere, Sinnverlust)
  • Keine Solidarität sondern Konkurrenz und Vereinsamung in der älteren Bevölkerung
  • Ängste im Alter / Unsicherheiten, wegen bestehender körperlicher Beeinträchtigungen
  • Fehlende Tagesstruktur
  • Geldmangel, Altersarmut ist weiblich
  • Verlust an Autonomie, Freiheit , Selbstständigkeit
Besprechen Sie Ihre Sorgen und Bedenken in Bezug auf Ihren Medikamentenkonsum mit Ihrer/Ihrem verschreibenden Ärztin/Arzt oder ApothekerIn oder vereinbaren Sie ein Beratungsgespräch mit uns oder einer anderen Suchtberatungsstelle. Sollten Sie das Gefühl haben nicht ernstgenommen oder verstanden zu werden oder das Gespräch verschafft Ihnen nicht die gewünschte Klarheit, sprechen Sie es wenn möglich an oder wechseln Sie die Praxis (sie haben immer die Möglichkeit eine/einen zweite/zweiten Ärztin/Arzt zu befragen) bzw. suchen Sie sich eine andere Beratungsstelle. Lassen Sie sich nicht entmutigen, um Ihr Medikamentenproblem besprechen zu können braucht es Vertrauen, manchmal dauert es etwas bis man die richtige Hilfe und die passenden AnsprechpartnerInnen oder TherapeutInnen gefunden hat. Holen Sie sich wenn es Ihnen möglich ist Unterstützung aus Ihrer Familie oder Ihrem Freundeskreis, diese könnten sie z.B. zum Arztbesuch begleiten oder nutzen Sie anonyme telefonische Beratung, um über ihre Probleme und Ängste zu sprechen. Sie können dafür auch unser Informations- und Beratungstelefon für einen gesunden eigenverantwortlichen Umgang mit Medikamenten nutzen. Sie erreichen uns unter der Telefonnummer 0431-61549 zu unseren Telefonzeiten (Mo-Do von 9.00 bis 12.00 Uhr, Mi zusätzlich von 14.00 bis 16.00 Uhr und Fr von 12.00 bis 13.00 Uhr).
Medikamentenabhängigkeit ist als Krankheit anerkannt. Wie bei allen Substanzabhängigkeiten steht am Anfang der Entzug, dieser verläuft je nach Medikament unterschiedlich. Benzodiazepine werden zum Beispiel langsam runter dosiert und ausgeschlichen. Schmerzmittel werden hingegen häufig schlagartig abgesetzt. Ein Entzug von Medikamenten sollte immer unter ärztlicher Kontrolle ambulant oder stationär erfolgen. Im Anschluss kann eine ambulante oder stationäre Entwöhnungstherapie, sowie eine Nachsorgebehandlung beantragt werden. Diese sind beihilfefähig. Die Kosten werden von den Rentenversicherungsträgern, der Beihilfe oder den Krankenkassen getragen. Wir oder andere Suchtberatungsstellen informieren Sie über unterschiedliche Therapieangebote, helfen Ihnen bei der Ermittlung der Kostenträger und der Antragstellung und unterstützen Sie bei der Aufrechterhaltung der Abstinenz und natürlich auch danach.
Medikamentenabhängigkeit ist sehr komplex und bleibt oft im Verborgenen. Es handelt sich um eine unauffällige, oft kaum wahrnehmbare Abhängigkeit. Für die Menschen in der näheren Umgebung kann es dennoch spürbar sein, dass mit der oder dem Betreffenden etwas nicht stimmt. Verschiedene Indizien können auf eine Abhängigkeit hinweisen, zu ihnen gehören u.a. Stimmungsschwankungen, die Vernachlässigung von Interessen und Freundschaften, Unzuverlässigkeit, abweisende oder aggressive Reaktion wenn der Konsum zur Sprache kommt.
Wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihr Kind, PartnerIn, FreundIn missbräuchlich Medikamente konsumiert, können Sie in einem persönlichen Gespräch Ihre Hilfe anbieten. Wichtig dabei ist, dass Sie Ihre eigenen Gefühle und Sorgen beschreiben und keine Schuldzuweisungen und Verurteilungen vornehmen. Der oder die Betroffene muss sich ernst genommen fühlen und auch die eigene Sicht der Dinge darlegen können. Um Unterstützung zu vermitteln, können Sie gerne auf eine Suchtberatungsstelle verweisen. Auch Sie selbst können einen Termin für eine Angehörigenberatung bei uns vereinbaren. Sie erreichen uns unter der Telefonnummer 0431-61549 zu unseren Telefonzeiten (Mo-Do von 9.00 bis 12.00 Uhr, Mi zusätzlich von 14.00 bis 16.00 Uhr und Fr von 12.00 bis 13.00 Uhr).

Medien

Digitale Medien sind elektronische Kommunikationsformen, die dazu dienen, Informationen über das Internet oder andere digitale Netzwerke zu verbreiten. Sie umfassen verschiedene Plattformen und Technologien, die es den Nutzer*innen ermöglichen, Inhalte zu erstellen, zu konsumieren und zu teilen. Dazu gehören das Internet, soziale Medien, Games, Filme, Fernsehen sowie Streaming-Dienste.
Von einer Medienabhängigkeit wird erst dann gesprochen, wenn die Nutzung von Internet, PC o. ä. bereits zu negativen Folgen im Alltag oder in den zwischenmenschlichen Beziehungen führt. In Fachkreisen wird dies auch „Pathologischer PC- und Internetgebrauch“ genannt, im Verzeichnis der WHO ist von „Computerspielstörung“ die Rede. In Anlehnung an die WHO weisen vor allem drei Kriterien auf eine Abhängigkeit hin:
  • Die betreffende Person hat die Kontrolle darüber verloren, wann sie wie lange das entsprechende Medium nutzt bzw. wann sie damit wieder aufhören kann.
  • Sie verliert zunehmend das Interesse an anderen Aktivitäten und vernachlässigt den Alltag und ihre zwischenmenschlichen Beziehungen.
  • Sie setzt ihr Spielen, Surfen o. ä. fort, obwohl sie sich bereits bewusst ist über die negativen Konsequenzen.
Selbsttest: https://www.ins-netz-gehen.de/test-handysucht-computersucht/
Die ersten Anzeichen einer Medienabhängigkeit können variieren, doch typische Warnsignale sind ein intensiver Fokus auf digitale Medien, wie übermäßige Nutzung von sozialen Plattformen. Ein Gefühl der Unruhe oder des Unbehagens tritt auf, wenn längere Zeit kein Zugang zu digitalen Medien besteht. Es kommt zur Vernachlässigung anderer Interessen oder Verpflichtungen zugunsten des fortgesetzten Gebrauchs digitaler Medien. Dies erfordert oft einen erhöhten Zeitaufwand, der auf Kosten von Schlaf, sozialen Aktivitäten oder anderen wichtigen Aufgaben geht. Trotz Bemühungen fällt es schwer, die Nutzung digitaler Medien zu kontrollieren oder zu reduzieren. Zudem kann es zu einem Rückzug aus persönlichen Beziehungen oder sozialen Aktivitäten zugunsten digitaler Medien kommen.
Am wesentlichsten ist es, das Gespräch mit der betroffenen Person zu suchen und dabei die eigenen Sorgen zu äußern. Zudem kann es hilfreich sein, sich bei Bedarf Beratung von einer Beratungsstelle einzuholen. Gleichzeitig ist es von Nutzen, Informationen über verfügbare Hilfsangebote an die betroffene Person weiterzugeben und sie bei der Suche nach Hilfe zu unterstützen. Allerdings ist es ebenso bedeutend, sich abzugrenzen, wenn die Belastung für die angehörige Person zu hoch ist. Es ist wichtig zu wissen, dass Angehörige zwar einen Anstoß geben und die betroffene Person auch bei der Suche nach Hilfe unterstützen können. Sie haben jedoch nicht die Verantwortung dafür, dass sie die Hilfe auch nutzt. Dieser Schritt muss von der betroffenen Person selbst gegangen werden.
Bei Medienabhängigkeit gibt es keine körperliche Gewöhnung wie bei der Abhängigkeit von einer Substanz. Es können jedoch psychische Symptome auftreten, wenn die betroffene Person keinen Zugang zu digitalen Medien hat. Diese Symptome sind denen bei einer Substanzabhängigkeit oft ähnlich. Es kann zu Nervosität, Unruhe, depressiven Zuständen oder Ängsten kommen, in Einzelfällen sogar zu massiven Erregungszuständen. Durch das lange Sitzen oder eine ungesunde Lebensweise können auch gesundheitliche Probleme auftreten.
Gute Gefühle beim Medienkonsum wirken sich in gewisser Weise ähnlich auf das Gehirn aus wie der Konsum von Drogen, da beides mit einer erhöhten Freisetzung von Dopamin verbunden ist. Der wiederholte Konsum von Medien kann dann dazu führen, dass das Gehirn sich – wie beim Drogenkonsum - an die erhöhte Dopaminfreisetzung gewöhnt und eine Toleranz entwickelt. Zwar gelangt durch den Medienkonsum keine chemische Substanz in den Körper. Die Auswirkungen auf die Gehirnstruktur und die Entwicklung von Gewohnheiten und Abhängigkeiten sind jedoch sehr ähnlich wie beim Drogenkonsum.
Mediensucht betrifft vor allem junge Menschen. Laut einer Studie (PINTA) sind etwa 1,5 % der Personen zwischen 14 und 64 Jahren betroffen. Besonders unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen steigt diese Zahl auf etwa 3,8 %. Dabei sind mehr Frauen als Männer betroffen. https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/5_Publikationen/Drogen_und_Sucht/Berichte/Forschungsbericht/Studie_Praevalenz_der_Internetabhaengigkeit__PINTA_.pdf
Wenn Sie das Gefühl haben, Ihren Medienkonsum nicht mehr im Griff zu haben, ist es wichtig, aktiv zu werden und Unterstützung zu suchen. Ein erster Schritt könnte sein, mit Personen Ihres Vertrauens offen über Ihre Probleme zu sprechen, Freunde oder Familie mit einzubeziehen. Zudem kann es helfen, sich bei einer Suchtberatungsstelle zu melden. Dort kann gemeinsam mit Ihnen und Fachkräften geschaut werden, was Sie brauchen und wie Sie dabei unterstützt werden können. Je früher Sie Hilfe in Anspruch nehmen, desto besser können Sie Ihre Mediensucht bewältigen und neue gesunde Gewohnheiten entwickeln.
Es gibt keine genauen Regeln dafür, wie viel Medienzeit angemessen ist. Kinder und Jugendliche sollten jedoch deutlich weniger Zeit mit digitalen Medien verbringen als Erwachsene. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) hat Richtwerte herausgegeben, die als Orientierung genutzt werden können: Kinder im Alter von 0 bis 3 Jahren sollten keine Bildschirmmedien nutzen, Kinder im Alter von 3 bis 5 Jahren höchstens 30 Minuten täglich, Kinder im Alter von 6 bis 8 Jahren höchstens 30 bis 45 Minuten täglich und 9 bis 11 Jahren 45 bis 60 Minuten täglich.
In der Mehrheit nutzen Frauen Medien anders als Männer. Besonders soziale Medien sind bei Frauen beliebter. Männer hingegen spielen häufiger Games. Trotzdem sind soziale Medien bei beiden Gruppen das am häufigsten genutzte Medium. https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/5_Publikationen/Drogen_und_Sucht/Berichte/Forschungsbericht/Studie_Praevalenz_der_Internetabhaengigkeit__PINTA_.pdf  
Es ist so schwer, ein Computerspiel zu beenden, weil diese Spiele speziell darauf ausgelegt sind, unsere Aufmerksamkeit möglichst lange zu binden, die Spieldauer zu erhöhen und damit Gewinne durch Werbeeinnahmen o. ä. zu erzielen. Sie sind gezielt so konzipiert, dass das Spielen positive Gefühle erzeugt. Durch ihre Machart werden Teile unseres Gehirns aktiviert, die für Freude und Belohnung zuständig sind. Besonders moderne Sport- oder Shooter-Spiele ermöglichen das tiefe Eintauchen in eine virtuelle Umgebung und die Interaktion damit. Dies führt dazu, dass bestimmte Gehirnregionen aktiviert werden, die uns dazu motivieren, weiterzuspielen und das Spiel nicht zu beenden.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Hilfe zu erhalten. Ein erster Schritt kann es sein, mit Freund*innen, Familienmitgliedern oder anderen Personen, denen Sie vertrauen, über die Probleme zu sprechen. Es gibt aber auch die Möglichkeit, sich professionelle Unterstützung zu holen. Hierfür gibt es spezielle Suchtberatungsstellen. Zum einen gibt es die Möglichkeit, direkt in einer Beratungsstelle ein erstes Beratungsgespräch zu vereinbaren. Eine Alternative ist die Online-Beratung. Sie bietet Beratung über das Internet und kann anonym von zu Hause aus genutzt werden. Unsere Online-Beratung finden Sie unter diesem Link: https://fsg.assisto.online/ Für akute Krisen oder für Menschen, die ganz unverbindlich und vielleicht auch am Wochenende mit jemandem über ihr Problem sprechen möchten, gibt es Telefonberatungen:
  • Bundesweite Sucht- & Drogen-Hotline: 01805 – 31 30 31 (24 Stunden täglich, 12 ct / Min )
  • Telefonseelsorge: 0800 – 111 0 111 oder 0800 – 111 0 222 (kostenfrei)
Über den folgenden Link können Sie eine Liste aller Suchtberatungsstellen mit einer Spezialisierung auf das Thema Medienabhängigkeit in Deutschland einsehen und eine Einrichtung in Ihrer Nähe finden https://www.fv-medienabhaengigkeit.de/hilfe-finden/
Wenn Sie uns telefonisch kontaktieren, können Sie einen Termin für ein Erstgespräch mit einer Beraterin vereinbaren. In diesem Gespräch können Sie Ihr Anliegen besprechen, Ihre Unterstützungswünsche äußern und weitere hilfreiche Informationen erhalten. Alternativ können Sie sich auch über unsere Online-Beratung melden. Diese ist über das Internet und und auf Wunsch auch anonym von zu Hause aus nutzbar. Unsere Online-Beratung finden Sie unter diesem Link: https://fsg.assisto.online/

Fragen und Antworten für Jugendliche

In Deutschland gibt es das Jugendschutzgesetz (JuSchG). In §9 JuSchG steht, in welchem Alter Jugendliche welche Art von Alkohol kaufen und trinken dürfen. Sinngemäß steht hier u.a.:
  • Jugendlichen, die unter 18 Jahren alt sind, ist der Erwerb und Verzehr von Spirituosen in Gaststätten, Verkaufsstellen und in der Öffentlichkeit nicht gestattet.
  • Spirituosen sind Getränke mit einem hohen Alkoholgehalt, man spricht auch von Brandwein. Hierzu gehören z.B. alkoholische Getränke wie Jägermeister, Wodka, Rum oder Whisky. Gleiches gilt für Alkopops, denn auch sie enthalten Spirituosen. Laut Gesetz muss auf dem Etikett deutlich hierauf hingewiesen werden.
  • Andere alkoholische Getränke mit einem niedrigen Alkoholgehalt wie Bier, Wein und Sekt dürfen von Jugendlichen ab 16 Jahren gekauft und getrunken werden.
  • Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren dürfen weder Alkohol kaufen noch in der Öffentlichkeit trinken. Eine Ausnahmen für Jugendliche ab 14 Jahren gilt dann, wenn sie in Begleitung einer sorgeberechtigten Person sind.
Für viele Menschen gehört es zur Normalität, sich am Wochenende mit Freunden zu treffen, Partys zu feiern und viel Alkohol zu konsumieren. Alkohol und andere Drogen können es einem scheinbar erleichtern Kontakte zu knüpfen, Hemmungen abzubauen oder locker und witzig zu werden. Es kann sich hierbei um eine Phase handeln, bei der eine Zeitlang auf Partys und mit Freunden (viel) Alkohol getrunken wird. Wird sie rechtzeitig wieder beendet, muss sie keine körperlichen, seelischen oder sozialen Folgen nach sich ziehen. Alkohol wird konsumiert um Spaß zu haben. Doch bereits dann sollte sich jede und jeder die Frage stellen, ob und warum man eine Substanz benötigt, um fröhlich glücklich, entspannt oder enthemmt zu sein. Für Jugendliche ist es wichtig, sinnvolle und interessante Möglichkeiten der Freizeitgestaltung zu finden. Finden Partys und Freunde treffen nur noch mit Alkohol statt, kann es passieren, dass Lernprozesse zur sinnreichen Freizeitgestaltung, zum Umgang mit Langeweile, zur Bewältigung von Konflikten und Problemen oder zur Entwicklung eines gesunden Selbstwertgefühls nicht stattfinden. Stattdessen wird der Konsum von Alkohol zur Gewohnheit und ist aus dem eigenen Leben bald nicht mehr wegzudenken. Eine Abhängigkeit kann sich so schleichend entwickeln.
Alkohol und Drogen können es einem scheinbar erleichtern, Kontakte zu knüpfen, Schüchternheit zu überwinden und locker und witzig zu werden. Doch manchmal geht der Schuss nach hinten los und man sagt oder tut Dinge, die man im nüchternen Zustand nie machen oder sagen würde. Denn Alkohol enthemmt und das manchmal mehr als einem lieb ist. Alkohol entfaltet seine komplexe Wirkung innerhalb weniger Minuten in den verschiedenen Teilen des Gehirns. Schon kleinste Mengen Alkohol reichen aus, um die Wahrnehmung und das Denken zu verändern. Ab 0,2 Promille verändern sich persönliches Erleben und Verhalten. Man fühlt sich zwangloser und freier. Der Widerstand gegen weiteren Alkoholkonsum sinkt. Sehfähigkeit, Konzentrationsvermögen und Bewegungskoordination lassen nach. Gedanken werden gedämpft und gefiltert wahrgenommen, ohne, dass man es merkt. Diese Wirkung des Alkohols fällt einem selbst erst auf, wenn man sich nüchtern eine Gruppe von betrunkenen Menschen ansieht und beobachten kann, wie sich die Leute verändern.
Frauen und Männer sind sexuell erregt, wenn ihr Testosteronspiegel im Blut steigt. In diesem Zusammenhang kann Alkohol eine entscheidende Rolle spielen. Durch zu viel Alkohol ist bei Männern im Bett eher Frust statt Lust angesagt. Bei ihnen senkt der Alkohol den Testosteronspiegel und eine Erektion bleibt aus. Bei Frauen hingegen steigen der Testosteronspiegel und die sexuelle Erregbarkeit, wenn sie Alkohol trinken. Mit dem Alkoholkonsum fallen aber auch die Hemmungen, so dass Frauen dann häufig Dinge tun, zu denen sie nüchtern klar nein sagen würden. Dass dauerhafter Alkoholkonsum auf jeden Fall negative Auswirkungen auf den Körper und auch auf die Sexualität von Männern und Frauen hat, zeigt sich u.a. daran, dass alkoholabhängige Frauen oft Probleme mit ihrer Regel haben und der Zyklus durcheinander gerät, alkoholabhängige Männer dagegen laufen Gefahr dauerhaft impotent zu werden.
Bis zum 20. Lebensjahr oder länger befindet sich der Körper in einer wichtigen Entwicklungsphase. Neben dem Körper mit seinen Organen gilt dies auch für soziale Prozesse und Fähigkeiten. Wie Herz, Lunge, Leber und Gehirn müssen auch sie ausgebildet und verfestigt werden, so dass Menschen in dieser Altersspanne fortlaufend dabei sind, ihre Persönlichkeit auszubilden. Unsicherheiten und ein gewisses Schutz- und Schonbedürfnis ist dann ganz normal. Ein solcher Körper- und Gefühlszustand bietet Alkohol und anderen Drogen viel Angriffsfläche. Im Vergleich zu Erwachsenen werden junge Menschen auch viel schneller abhängig. Je früher jemand damit beginnt (regelmäßig) Alkohol zu trinken, desto größer ist die Gefahr, sich daran zu gewöhnen und eine Abhängigkeit zu entwickeln. Alkohol wirkt- wie jede psychotrope Substanz oder bestimmte Verhaltensweisen – auf das „Belohnungszentrum“ im Gehirn. Dieses gewöhnt sich in einer Art Lernprozess an die positiven Effekte (z.B. locker, entspannt oder angeregt sein) und speichert sie in Verbindung mit dem Konsum ab. Wenn diese Wirkung dann immer wieder gewünscht wird, kann sich schließlich eine Abhängigkeit entwickeln. Neben den positiven Effekten werden Alkohol und andere Substanzen auch dafür genutzt, um negative Gefühle, Stress oder Erinnerungen auszublenden. Bei der Lösung eines Problems hilft dies nicht. Schleicht sich dieses Verhalten ein, besteht auf Dauer die Gefahr, irgendwann gar nicht mehr in der Lage zu sein, Probleme ohne Suchtmittel zu lösen.
Alkohol ist ein Zellgift und deshalb nie gesund für den Körper. Es gibt allerdings einen Unterschied, ob Erwachsene oder Jugendliche Alkohol trinken. Dieser liegt zum größten Teil darin begründet, dass Erwachsene mit ihrer körperlichen Entwicklung abgeschlossen haben. Bei Kindern und Jugendlichen sind die Schäden, die Alkohol ihrem Körper zuführen kann, gravierend, da sie in die fortlaufende Entwicklung eingreifen und diese eventuell auch aus der Bahn werfen. Bei Jugendlichen befinden sich die lebenswichtigen Organe wie Herz, Lunge oder Leber in einem entscheidenden Prozess. Sie wollen gefordert werden, Alkohol und andere Drogen überfordern allerdings. Bereits geringere Mengen Alkohol können bei Jugendlichen eine schädliche Wirkung haben. Während der kindliche Organismus noch ganz besonders anfällig für Schädigungen durch Alkohol ist, ist auch die Leber von Jugendlichen nur bedingt in der Lage Alkohol abzubauen. Das menschliche Gehirn wächst bis zum 20. Lebensjahr oder länger und kann in dieser Zeit sehr leicht angegriffen oder sogar verletzt werden und das hat Auswirkungen. Jeder Rausch mit Alkohol oder Drogen tötet Gehirnzellen ab, die im Nachhinein auch nicht wieder hergestellt werden können. Aber auch für Erwachsene gilt: Ihr Körper dankt es Ihnen Alkohol in Maßen zu genießen und ein gutes Vorbild sind sie noch dazu.
Es ist nie ratsam zwei oder mehr Substanzen gleichzeitig zu konsumieren. Körper, Wahrnehmung und Gefühle sind überfordert und reagieren oft mit negativen Folgen. Wird Alkohol getrunken und Cannabis geraucht, kann dies schnell zu Übelkeit führen, da THC die Wirkung des Alkohols noch verstärkt. Die Wirkung des THC hingegen kann evtl. kaum oder gar nicht gespürt werden. Sie ist zwar da, wird aber vom Alkohol übertönt. Die Gefahr, immer mehr zu rauchen, um die Wirkung endlich zu spüren, ist in so einem Fall groß. Sich selbst und das, was man noch vertragen kann, überschätzt man leicht. Der Kontrollverlust kann dann schnell eintreten und der gestresste Körper reagiert möglicherweise mit Kreislaufstörungen. Wie man selbst und der eigene Körper reagiert, hängt immer auch von der persönlichen Verfassung ab. Was die Freundin als toll beschrieben hat, kann bei einem selbst ganz schön nach hinten losgehen. Auch andere Kombinationen wie Alkohol und Medikamente oder Alkohol und Amphetamine sind nicht zu empfehlen. Auf Mischkonsum sollte man generell verzichten.
Es gibt keinen kontrollierten Markt für Cannabisprodukte. Unter anderem hat dies zur Folge, dass es für KonsumentInnen nicht ersichtlich sein kann, wie hoch der Wirkstoffgehalt in dem Haschisch oder Marihuana, das sie konsumieren, wirklich ist. Ist er an einem Tag niedrig, kann er am nächsten Tag z.B. über einen anderen Bezug, viel höher sein und mit ihm die psychotrope Wirkung. Während der THC-Gehalt bei Marihuana in Deutschland zwischen 1 – 7% schwankt, können niederländische Treibhauszüchtungen einen Wirkstoffgehalt von bis zu 15% erreichen. Neue und gezielte Züchtungen machen es möglich, dass mittlerweile Marihuana Sorten beschlagnahmt worden sind, die einen THC-Gehalt von 20-25% aufwiesen. Darüber hinaus ist die Wirkung abhängig von der Gewöhnung der Konsumenten und von der Form des Konsums. Beim Rauchen von Joints fällt die Einschätzung der Wirkung leichter als z.B. beim Essen von Keksen, da die Wirkung bei Letzterem sehr viel später eintritt und deshalb leicht überdosiert werden kann. Besonders unerfahrene (Erst)konsumentInnen können von der starken Wirkung unangenehm überrascht werden und unter Umständen „Horrortrips“ erleben. Immer mehr Marihuana und Gras wird von den Händlern mit unterschiedlichen Substanzen gestreckt. Die Palette der bekannten Streckmittel reicht von Pflanzenfasern, Gewürzen, Fetten, Ölen und Baumharzen, über Zucker, Wachs, Haarspray oder Schuhcreme bis hin zu Sand, Glas oder Blei. Einige dieser Beimengungen können – besonders geraucht – einen sehr schädlichen Einfluss auf den Körper haben.
Es dauert ca. 30-60 Minuten bis der getrunkene Alkohol vollständig in den Blutkreislauf aufgenommen ist und die Wirkung ihren Höhepunkt erreicht. Sofort nach der Aufnahme beginnt die Leber damit, den Alkohol wieder abzubauen. Dieser Abbau braucht etwas Zeit. Wird Alkohol in sehr schneller Zeit und in hoher Konzentration getrunken, kommt die Leber mit ihrer Aufgabe nicht nach. Innerhalb der 30 Minuten, die verstreichen, bis sich das volle Ausmaß zeigt, kann schon so viel getrunken worden sein, dass es zum Zusammenbruch des Systems kommt. Der Alkoholgehalt im Körper ist dann bereits so hoch, dass der Körper es nicht mehr schafft ihn abzubauen. Das kann lebensgefährlich werden und zum Beispiel zu einer schlimmen Alkoholvergiftung führen. Dieses Risiko reduziert sich deutlich, wenn man langsam trinkt und auf Hochprozentiges verzichtet.
Beim Trinken gelangt der Alkohol zunächst über die Speiseröhre in den Magen. Dort werden bereits ca. 20% der Alkoholmenge von der Magenschleimhaut aufgenommen und in den Blutkreislauf abgegeben. Die restlichen 80% gelangen zunächst in den Dünndarm und von dort über die Darmschleimhaut in den Blutkreislauf. Es dauert lediglich ca. 5 Minuten, bis der Blutalkoholspiegel zu steigen beginnt. Nach ca. 30–60 Minuten erreicht er seinen Höhepunkt. Ca. 5% des Alkohols werden über Lunge und Haut, bis zu 2% über die Nieren und ca. 94%, also die überwiegende Menge des getrunkenen Alkohols wird in der Leber chemisch abgebaut. Die Abbaurate in der Leber verläuft gleichmäßig und beträgt unabhängig von der getrunkenen Menge ca. 0,1 Promille Alkohol in der Stunde. Für den vollständigen Abbau von 1,0 Promille Blutalkohol-Konzentration braucht der menschliche Körper im Schnitt also 10 Stunden. Auch mit Kaffee, Tanzen, Sport oder sonstigen Rezepten lässt sich der Abbau nicht beeinflussen.
In einigen Studien wird Alkohol als „harte“ Droge eingestuft, denn zu den Folgen und Gefahren des Alkoholkonsums können große gesundheitliche Schäden, die körperliche Abhängigkeit und unter Umständen Lebensgefahr im Falle einer Überdosis oder eines Entzuges sein. Auch die seelische Abhängigkeit, die mit jeder Form von Abhängigkeit einhergeht, ist oft sehr schwer zu überwinden. In diesem Sinne ist Alkohol eine „harte“ Droge und nicht das „Genussmittel“ wie es in unserer Gesellschaft oft dargestellt und auch akzeptiert wird. Unter „weichen“ Drogen werden häufig die Drogen zusammengefasst, die weder körperliche Abhängigkeit verursachen noch große gesundheitliche Risiken in sich bergen.Allerdings ist die Unterscheidung in harte und weiche Drogen oft irreführend und wird heute nicht mehr verwendet. Definitiv ist Alkohol kein Stoff, den man bedenkenlos und in Massen konsumieren sollte.
Menschen davon zu überzeugen, weniger zu trinken, ist keine leichte Aufgabe. Wem bei Freund oder Freundin, Vater, Mutter, oder PartnerIn ein übermäßiger Alkoholkonsum auffällt, sollte die Gelegenheit nutzen und das Problem offen ansprechen. Viele Menschen trauen sich nicht dies zu tun, weil sie Angst haben, wie ihr Gegenüber dann reagiert. Vielleicht stempelt er oder sie mich als uncool ab, ich löse einen Heulkrampf aus, werde beschimpft oder der Kontakt zu dieser Person bricht dann ganz ab. Auch die Unsicherheit, ob die Sorge überhaupt begründet ist, lässt viele abwarten. Grundsätzlich gilt, dass das eigene Gefühl einen hier selten täuscht. Wenn ich mir Sorgen um jemanden mache, weil ich denke, dass der Suchtmittelkonsum bei ihr oder ihm nicht normal ist, ist dieses Bauchgefühl durchaus berechtigt. Wenn Betroffne auf ihr auffälliges Verhalten angesprochen werden, ist ihnen das ich der Regel erst einmal unangenehm und peinlich. Auf der anderen Seite kann es aber auch wie ein Weckruf wirken und dazu beitragen das bisherige Muster zu durchbrechen. In einem solchen Gespräch ist es wichtig, bei sich zu bleiben. Das heißt von den eigenen Sorgen, Ängsten und Wahrnehmungen zu sprechen und auf Vorwürfe und Schuldzuweisungen zu verzichten. Auf Sätze wie „mit Deinem permanenten Gesaufe, machst Du noch alles kaputt“ sollte lieber verzichtet werden, denn sie dafür, dass sie oder er sich angegriffen fühlt und mit Abwehr reagiert. Wird im Gespräch deutlich, dass er oder sie etwas verändern möchte, sollte hier gleich angeknüpft werden. Oft kann Unterstützung z.B. bei der Suche nach einer Beratungsstelle oder durch Begleitung zum ersten Gespräch sehr hilfreich sein.
Wenn Alkohol getrunken wird, wird dieser auf schnellstem Wege in den Blutkreislauf geleitet. Wird sehr viel getrunken, kann es passieren, dass Menschen sich übergeben müssen. Das bedeutet dann allerdings nicht, dass in Punkto Alkoholpegel alles auf Null gesetzt wird und von Neuem begonnen werden kann. Man wird auch nicht schneller wieder nüchtern. Die Leber beginnt damit, Alkohol abzubauen, sobald sie merkt, dass er dem Körper zugeführt worden ist, also bereits nach wenigen Minuten. Die Zeit, die sie hierfür benötigt, kann nicht beeinflusst werden. Das Übergeben ist schlicht ein Zeichen dafür, dass der Körper sich wehrt und auf diese Weise sagt: “Stopp, bitte keinen Alkohol mehr!“
Wie schnell jemand betrunken wird, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Die individuelle Verfassung, das Körpergewicht, das Geschlecht und natürlich der Alkoholgehalt des Getränks spielen dabei eine Rolle. Beim Trinken von Alkohol beginnt der Blutalkoholspiegel nach 5 Minuten zu steigen und erreicht dann nach 30-60 Minuten seinen Höhepunkt. Wird viel durcheinander getrunken, ist das eine Mehrbelastung für den Körper. Die Kombination von verschiedenen Alkoholen kann für Chaos im Körper sorgen und sich z.B. auf das Herz und das Gehirn auswirken. Das gibt uns das Gefühl, schneller betrunken zu sein, letztlich ist es aber nicht so. Ausschlaggebend für die Wirkung ist nicht das durcheinander Trinken, sondern der Alkoholgehalt der jeweiligen Getränke.
Grundsätzlich gilt, dass es darauf ankommt, wie viel reinen Alkohol ein Getränk enthält. In einem Mischgetränk oder einem Cocktail ist die Menge an reinem Alkohol nicht zu unterschätzen. Meistens enthalten diese Getränke Schnaps, der einfach mit Saft oder Brause verdünnt wird. Der pure Alkohol ist nicht mehr herauszuschmecken. Ein Mixgetränk (Alkopop 0,33 l, 5-6 Vol.-%) entspricht zum Beispiel in etwa 2 Gläsern Schnaps (0,02 l, 38 Vol.-%). Auch Biermixgetränke enthalten Alkohol und zwar in etwa ein halbes Bier. D.h. über den Daumen gepeilt kann für zwei Biermixgetränke ein „normales“ Bier gerechnet werden. Wegen ihres harmlosen Geschmacks wird die Wirkung von Mixgetränken oft unterschätzt. Oft werden sie auch als Durstlöscher getrunken. Auf diesem Weg kann dann ungewollt und unkontrolliert innerhalb kürzester Zeit sehr viel Alkohol in den Blutkreislauf gelangen und einen Kontrollverlust bis hin zu Alkoholvergiftung zur Folge haben.  
Ein voller Magen – besonders einer, der mit fettreichen Speisen gefüllt ist – kann dazu beitragen, dass Alkohol langsamer in den Blutkreislauf gelangt als bei einem fast leeren Magen. Der Großteil des Alkohols wird über die Schleimhaut im Dünndarm an den Blutkreislauf weiter gegeben. Das Fett der Speisen befindet sich ebenfalls im Dünndarm und bindet sich dort mit dem Alkohol. Dieser Vorgang verzögert, dass der Alkohol über die Darmschleimhaut an den Blutkreislauf weitergegeben wird. Der Rauschzustand setzt langsamer ein. Aus diesem Grund gilt auch: Nie Alkohol auf leeren Magen Alkohol trinken!
Das Gefühl, den eigenen Konsum nicht mehr im Griff zu haben, die Empfindung, dass es so nicht mehr weiter gehen kann oder dass einem die Probleme über den Kopf wachsen, sind ein deutliches Zeichen dafür, dass Unterstützung notwendig ist. Es gibt Freunde, die Familie oder Kollegen, denen man sich anvertrauen kann, um sich die Last von der Seele zu reden. Es gibt aber auch die Möglichkeit sich professionelle Unterstützung zu holen, von einer Person, die der eigenen Situation objektiv gegenüber steht und die sich mit Suchtmittelkonsum und den möglichen Folgen auskennt. Hierfür gibt es spezielle Suchtberatungsstellen. Beratungsformen gibt es mittlerweile einige. Zum einen gibt es die Möglichkeit sich direkt in einer Beratungsstelle von einer/m MitarbeiterIn informieren oder beraten zu lassen. Eine Alternative ist die Online-Beratung. Sie bietet Beratung über das Internet und kann anonym von zu Hause aus genutzt werden. Viele Beratungsstellen bieten inzwischen Online-Beratung an. Zu unserer Online-Beratung geht es hier. Für akute Krisen oder für Menschen, die ganz unverbindlich und vielleicht auch am Wochenendemit jemandem über ihr Problem sprechen möchten, gibt es Telefonberatungen:
  • Bundesweite Sucht- & Drogen-Hotline: 01805 – 31 30 31 (24 Stunden täglich, 12 ct / Min )
  • Telefonseelsorge: 0800 – 111 0 111 oder 0800 – 111 0 222 (kostenfrei)
Über den folgenden Link können Sie eine Liste aller Suchtberatungsstellen in Deutschland einsehen und eine Einrichtung in Ihrer Nähe finden www.dhs.de/web/einrichtungssuche/suche.php.
Kinder, die in einer Familie leben, in der Mutter oder Vater oder beide Eltern ein Problem mit Alkohol haben, erleben ein Gefühlschaos. Angst, Einsamkeit, Verwirrung, Wut … . Der Alkohol bestimmt das Familienleben. Mit ihm steigt die Stimmung oder fällt rasant in den Keller. Man weiß nie so recht, was einen zuhause erwartet, wenn man aus der Schule kommt. Aufgaben, die eigentlich von Mutter oder Vater erledigt werden sollten (Rasen mähen, für die kleinen Geschwister sorgen, einkaufen, …), werden von den Kindern übernommen. Oft versuchen Kinder, dass es niemand mitbekommt, wenn Mutter oder Vater betrunken sind. Das alles ist eine riesige Belastung für ein Kind oder einen Jugendlichen und sollte nicht so weitergehen. Es ist wichtig, seine Sorgen und Ängste nicht für sich zu behalten, sondern mit jemanden darüber zu reden. Einer Person, der man vertraut, sein Herz auszuschütten kann eine große Erleichterung bringen und ist vollkommen in Ordnung.
Kinder und Jugendliche, die sich zuhause nicht mehr wohlfühlen oder sogar Angst haben, haben ein Recht auf Unterstützung und ein offenes Ohr. Es kann sehr hilfreich sein, sich eine Liste mit wichtigen Telefonnummern und Adressen zusammenzustellen, die schnell zur Hand sind, wenn es Stress gibt. Abgesehen von Vertrauenspersonen im Familien- und Freundeskreis gibt es unterschiedliche Stellen, bei denen Kinder und Jugendliche Hilfe bekommen können:
  • In akuten Notfallsituation helfen die Polizei und der Rettungsdienst unter der Tel.-Nr.: 110
  • In Erziehungs- und Familienberatungsstellen werden auch Kinder und Jugendliche beraten – ganz unabhängig davon, ob ein Elternteil dabei ist.
  • Suchtberatungsstellen sind auch für die Angehörigen von Suchtkranken da. In den meisten Beratungsstellen können auch Jugendliche einen Termin für ein Beratungsgespräch bekommen.
  • Viele Angebote im Internet bieten rund um die Uhr und völlig anonym Beratung und Information. Unter www.nacoa.de gibt es z.B. sehr vielfältige Informationen für Kinder aus Suchtfamilien
  • Ein Notruftelefon für Kinder von suchtkranken Eltern ist von Mo-Fr 17.00 bis 23.00Uhr und an den Wochenenden rund um die Uhr unter der Telefon-Nr. 0800 – 280 280 1 zu erreichen.

Informationen und Terminvereinbarung

+49(0)431 6 15 49
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