Muss es der Süchtigen erst richtig schlecht gehen, damit sich etwas verändern kann?

Viele Angehörige haben Angst davor, ein Familienmitglied, einen Freund oder eine Freundin mit Suchtproblem im Stich zu lassen. Angst drängt sich auf, ihr oder ihm könnte etwas passieren und sie hätten es nicht verhindert. Andere wiederum sagen, genau dies sei der richtige Weg. Es bietet sich an, davon auszugehen, der betreffenden Person ihre Verantwortung zurückzugeben. Oft werden Süchtige von ihrem sozialen Umfeld in wichtigen Angelegenheiten unterstützt. Fehltage bei der Arbeit werden entschuldigt, Freunde und Nachbarn werden vertröstet, Aufgaben, die der oder die Betroffene erledigen müsste, werden übernommen.

Viele Angehörige gehen dabei bis zur Selbstaufgabe. Die Betroffenen selbst bleiben so lange in dem Glauben ihren Alttag problemlos alleine meistern zu können. Ihr Konsum erscheint Ihnen deshalb nicht problematisch. Fällt diese Unterstützung weg, ist der oder die Süchtige gezwungen selbst die Verantwortung für das eigene (Fehl)verhalten zu übernehmen, Fehler einzugestehen und sich mit den Schwierigkeiten, die der Suchtmittelkonsum verursacht, selbst auseinander zu setzten. Eine solche Situation macht das Problem sichtbar und kann den Wunsch nach Veränderung und einer Reduktion des Konsums herbeiführen.