Frauen Sucht Gesundheit e.V.
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Sucht allgemein – Fragen und Antworten

Wie viel darf ich trinken?

Bin ich schon abhängig?

Ist Alkohol förderlich für die Gesundheit?

Wie viel darf ich trinken/konsumieren, wenn ich Auto fahre?

Wie verhalte ich mich, wenn plötzliches Verlangen auftritt?

Wie verhalte ich mich im Falle eines Rückfalls?

Wie beantrage ich eine Therapie?

Darf ich mich als Angehörige auch betroffen fühlen?

Woran merke ich, dass jemand ein Suchtproblem hat?

Wie spreche ich jemanden auf sein Problem an?

Muss es der Süchtigen erst richtig schlecht gehen, damit sich etwas verändern kann?

Wie schütze ich mein Kind vor Sucht?

Bleibt das, was ich in der Beratung erzähle nur bei den Beraterinnen?


Wie viel darf ich trinken?

Wie der Körper eines Menschen auf Alkoholkonsum reagiert und wie dieser verwertet wird, ist von Person zu Person unterschiedlich. Es gibt einige Richtlinien, die als Orientierung für einen risikoarmen Konsum dienen können. Eine erwachsene Frau sollte demnach nicht mehr als 10g Alkohol pro Tag zu sich nehmen. Diese Menge entspricht einem kleinen Glas Wein (0,1Liter) oder einem kleinen Glas Bier (0,25 Liter). Mit der Menge des konsumierten Alkohols und der Häufigkeit des Konsums steigt auch das Risiko. Innerhalb einer Woche sollten mindestens 2 Tage alkoholfrei bleiben. Bei besonderen Erkrankungen, in der Schwangerschaft, am Arbeitsplatz oder als Verkehrsteilnehmerin sollte unbedingt auf Alkohol verzichtet werden.

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Bin ich schon abhängig?

Es gibt keine allgemeinverbindliche Richtlinie nach der zweifelsfrei beurteilt werden kann, ab wann jemand abhängig ist. Allgemein lässt sich sagen, dass sich ein abhängiger Mensch ohne sein Suchtmittel nicht wohlfühlt. Menschen, die abhängig sind, haben ein großes Verlangen nach dem Suchtmittel. Um die gleiche Wirkung zu erzielen, müssen Sie  ihre Dosis in der Regel im Laufe der Zeit steigern. Bei vielen Substanzen besteht neben der psychischen Abhängigkeit auch eine körperliche Abhängigkeit, d.h. der Körper reagiert unter Umständen mit Entzugserscheinungen auf den Wegfall des Suchtmittels. Mit dem Konsum schaden sie sowohl sich selbst als auch den Menschen in ihrem sozialen Umfeld.

Im Falle einer stoffungebundenen Sucht wie beispielsweise der Glücksspiel-, Kauf- oder Mediensucht ist der Übergang zur Sucht schwieriger zu definieren. Mit ihren Symptomen äußert sie sich aber im Großen und Ganzen ähnlich wie eine Substanzabhängigkeit.

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Ist Alkohol förderlich für die Gesundheit?

Alkohol ist nicht gesundheitsförderlich und kann keinesfalls Medikamente ersetzen! Vor allem der Mythos „Alkohol ist eine gute Prophylaxe gegen Herzinfarkt“ ist weit verbreitet. Dabei ist zu beachten, dass es sich hierbei um eine geringe Mengen von 0,1 Liter Wein handelt, die maximal jeden zweiten Tag konsumiert wird. Alkohol ist niemals risikofrei, sondern immer ein Gift, welches der Körper verarbeiten muss. Alkoholfreie Tage sind notwendig, damit aus dem Gläschen Wein keine Gewohnheit und aus der Gewohnheit keine Sucht wird. Doch dies kann kein Grund sein mit dem Trinken anzufangen, denn auch wenn Rotwein in einigen wenigen Fällen ein Infarktrisiko zu senken vermag, birgt der Konsum auf der anderen Seite immer auch eine Vielzahl an gesundheitlichen Risiken. Einem Herzinfarkt können Sie allemal mit anderen Maßnahmen besser vorbeugen.

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Wie viel darf ich trinken/konsumieren, wenn ich Auto fahre?

Wer sich in Deutschland ans Steuer setzt, muss dazu in der Lage sein dieses sicher zu führen. In Deutschland gilt die 0,5 Promille Grenze. Wer diese Grenzen überschreitet, muss mit einer Geldstrafe, Punkten im Verkehrszentralregister und Fahrverbot rechnen. Kommt es zu einem Unfall, drohen zusätzlich der (dauerhafte) Entzug der Fahrerlaubnis, möglicherweise sogar Freiheitsstrafe. Auch ab 0,3 Promille können Konsequenzen eintreten, wenn es zu Ausfallerscheinungen oder zu einem Unfall kommt. Für FahranfängerInnen in der Probezeit und für Jugendliche unter 21 Jahren gilt absolutes Alkoholverbot. Die Frage nach dem „wie viel darf ich“ lässt sich nicht zuverlässig beantworten, denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Alkohol, da viele Faktoren wie Alter, Gewicht oder Mahlzeiten ein Rolle spielen. Nach Tabellen zu berechnen, ob man mit dem nächsten Glas Wein die Promillegrenze erreicht oder nicht, ist demnach nicht zu empfehlen. Auf Nummer Sicher gehen FahrerInnen, die auf Alkohol verzichten oder die den Heimweg mit dem Taxi antreten. Genügend Zeit sollte vergangen sein, bevor man sich nach einer feuchtfröhlichen Nacht wieder ans Steuer setzt, denn auch noch nach mehreren Stunden ist man nicht unbedingt wieder fahrtüchtig. Das Führen eines Fahrzeugs unter jeglicher Form von Drogeneinfluss ist nicht zu verantworten und wird in jedem Fall strafrechtlich geahndet.

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Wie verhalte ich mich, wenn plötzliches Verlangen auftritt?

Das Verlangen nach einem Suchtmittel kann plötzlich in unterschiedlichsten Situationen auftreten. Hilfreich kann es dann sein, sich vor Augen zu führen, dass diese Phase endlich ist. Diese geht wie sie gekommen ist nach maximal 20 Minuten wieder vorüber. In der Zeit, in der das Verlangen auftritt, kann es helfen, sich abzulenken z.B. mit Sport, einer Zeitschrift, einem Telefonat mit der Freundin, usw. Es empfiehlt sich zudem eine Person ins Vertrauen zu rufen und diese in Krisensituationen anzurufen. Auch das bewusste Denken an die eigenen Ziele und die bisherigen Erfolge kann zum Durchhalten ermuntern und Kraft geben.

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Wie verhalte ich mich im Falle eines Rückfalls?

Ein erneuter Konsum nach einer Zeit der Abstinenz muss nicht zwangsläufig den Rückfall in alte Trinkmuster bedeuten. Grundsätzlich benötigt eine Änderung von lang gehegten Gewohnheiten Zeit, ebenso die Überwindung der Suchtmuster. Neue Verhaltensweisen wie die Abstinenz müssen zunächst geübt werden und wie bei anderen Dingen auch, funktioniert es nicht beim ersten Mal fehlerfrei. Im Falle eines Rückfalls kann es hilfreich sein sich die bisherigen Erfolge und auch die eigenen Ziele vor Augen zu führen. Aus den  bisherigen Erfahrungen mit dem reduzierten Konsum bzw. der Abstinenz kann profitiert werden. Empfehlenswert ist es außerdem sich in einer Rückfallsituation an eine Vertrauensperson zu wenden und fachliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Die Wiederaufnahme der Abstinenz ist immer möglich und umso einfacher je schneller damit begonnen wird.

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Wie beantrage ich eine Therapie?

Eine ambulante oder stationäre Entwöhnungstherapie sowie eine Nachsorgebehandlung sind beihilfefähig. Die Kosten werden von den Rentenversicherungsträgern, der Beihilfe oder den Krankenkassen getragen. BeraterInnen in Suchtberatungsstellen wie die Frauensuchtberatung Schleswig-Holstein informieren über unterschiedliche Therapieangebote, helfen bei der Ermittlung der Kostenträger und der Antragstellung. Sie unterstützen bei der Aufrechterhaltung der Abstinenz und natürlich auch danach.

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Darf ich mich als Angehörige auch betroffen fühlen?

Nicht nur die oder der Suchtkranke allein ist von seiner Krankheit betroffen, sondern immer auch das nahe Umfeld, Familie, PartnerIn, Freunde, Nachbarn, ArbeitskollegInnen. Sucht ist eine Beziehungsstörung, das bedeutet, dass alle Verhaltensweisen und Reaktionen einer Person auch alle anderen Personen eines Netzwerkes beeinflussen. Angehörige Frauen unterstützen ihre(n) PartnerIn oft bis zur eigenen Selbstaufgabe. Ihr Ziel ist es die Beziehung um jeden Preis zu retten. Dafür opfern sie ihre Gesundheit, soziale Kontakte und ihren Lebensinhalt. Angehörige benötigen ebenso Unterstützung wie die Betroffenen. Da das Problem in der Familie oder im Freundeskreis oft zum Tabu wird, ist es sinnvoll mit jemandem über die Situation sprechen zu können. In einer Suchtberatungsstelle finden immer auch Angehörige professionelle Hilfe, Informationen zum Thema Sucht und Unterstützung wie sie mit der Situation umgehen können.

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Woran merke ich, dass jemand ein Suchtproblem hat?

In der Regel ist es für die Menschen in der näheren Umgebung spürbar, das mit der oder dem Betreffenden etwas nicht stimmt. Unmissverständliche Signale sind eine regelmäßige „Alkoholfahne“ oder das Verstecken von Alkoholvorräten vor anderen. Weitere Indizien sind nicht immer eindeutig, können aber auch auf ein Suchtproblem hinweisen. Zu ihnen gehören u.a. Stimmungsschwankungen, die Vernachlässigung von Interessen und Freundschaften, Unzuverlässigkeit in Folge des Alkoholkonsums oder eine abweisende oder aggressive Reaktion wenn der Konsum zur Sprache kommt.

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Wie spreche ich jemanden auf sein Problem an?

Dass eine Person, ein Suchtproblem hat, wird in der Regel von den Menschen in ihrem sozialen Umfeld schnell erkannt. Die meisten scheuen sich aber, diese Person direkt auf das Problem anzusprechen, da sie Angst vor der Reaktion haben. Oft wird von den Mitmenschen der geheime Wunsch gehegt, dass Problem möge sich so wie es gekommen ist auch von alleine auflösen. Leider ist dies nicht möglich und das Schweigen des sozialen Umfeldes lässt die Betroffenen nur umso länger in ihrer Sucht verharren. Einerseits scheint es ihnen gerade recht zu kommen, nicht auf das Problem angesprochen zu werden, andererseits fühlen sie sich umso unverstandener und mit ihren Problemen allein gelassen, dass sie dieses Gefühl nicht selten mit erneutem Konsum zu verdrängen versuchen. Der Wille zur Veränderung und die Bereitschaft Hilfe anzunehmen lassen sich nicht erzwingen.  Ändern kann sich ein Mensch nur selbst, andere Menschen vermögen dies nicht zu vollbringen. Dennoch können Familienmitglieder, Freunde, Nachbarn oder andere ihre Hilfe anbieten. Grundlegend für ein Gespräch ist es, dass Sie von ihrer eigenen Situation ausgehen, Ihre eigenen Gefühle und Sorgen beschreiben. Schuldzuweisungen und Verurteilungen sind nicht hilfreich, sondern führen zu Widerstand. Für die betroffene Person ist es wichtig, dass sie sich mit ihren Sorgen und Ängsten ernstgenommen fühlt und die Möglichkeit bekommt, ihre Sicht der Dinge darzustellen. Konsequenzen sollten Sie nur dann ankündigen, wenn sie realistisch sind und auch Sie diese auch wirklich umsetzen. Informationen über Möglichkeiten der Unterstützung (z.B. Flyer einer Beratungsstelle) können Sie bereits im Vorfeld des Gesprächs besorgen und im Gespräch anbieten. Persönliche Hilfsangebote (z.B. Kinderbetreuung) können der oder dem Betroffenen den Gang zu einer Beratungsstelle erleichtern.

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Muss es der Süchtigen erst richtig schlecht gehen, damit sich etwas verändern kann?

Viele Angehörige haben Angst davor, ein Familienmitglied, einen Freund oder eine Freundin mit Suchtproblem im Stich zu lassen. Angst drängt sich auf, ihr oder ihm könnte etwas passieren und sie hätten es nicht verhindert. Andere wiederum sagen, genau dies sei der richtige Weg. Es bietet sich an, davon auszugehen, der betreffenden Person ihre Verantwortung zurückzugeben. Oft werden Süchtige von ihrem sozialen Umfeld in wichtigen Angelegenheiten unterstützt. Fehltage bei der Arbeit werden entschuldigt, Freunde und Nachbarn werden vertröstet, Aufgaben, die der oder die Betroffene erledigen müsste, werden übernommen. Viele Angehörige gehen dabei bis zur Selbstaufgabe. Die Betroffenen selbst bleiben so lange in dem Glauben ihren Alttag problemlos alleine meistern zu können. Ihr Konsum erscheint Ihnen deshalb nicht problematisch. Fällt diese Unterstützung weg, ist der oder die Süchtige gezwungen selbst die Verantwortung für das eigene (Fehl)verhalten zu übernehmen, Fehler einzugestehen und sich mit den Schwierigkeiten, die der Suchtmittelkonsum verursacht, selbst auseinander zu setzten. Eine solche Situation macht das Problem sichtbar und kann den Wunsch nach Veränderung und einer Reduktion des Konsums herbeiführen.

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Wie schütze ich mein Kind vor Sucht?

Als Eltern ist es wichtig authentisch zu bleiben und darauf zu achten, was man seinem Kind vorlebt. Klare Regeln und definierte Grenzen sind notwendig damit Jugendliche den Umgang mit Alkohol erlernen können. Konsequenzen sollten nur dann angekündigt werden, wenn diese bei klaren Regelverstößen folgen. Jedoch sind Konsequenzen nur dann sinnvoll, wenn sie praktikabel sind. Hilfreicher für das Erlernen neuer Verhaltenweisen sind Lob und Annerkennung bei erwünschtem Verhalten. Für Kinder und Jugendliche ist es enorm wichtig dass sie spüren, dass die Eltern sich für sie oder ihn interessieren, dass sie bei Problemen zuhören und diesen respektvoll begegnen. Klar und deutlich sollten Eltern ansprechen, wenn sie sich Sorgen über Alkohol, Drogen oder andere Suchtmittel machen und begründen warum sie dies tun. Schuldzuweisungen und Verdächtigungen sind nicht hilfreich, sondern fördern lediglich den Widerstand und führen zu Konfrontationen. Hilfe von außen kann unterstützend sein, wenn die Situation zu eskalieren droht und es Probleme gibt, die im familiären Rahmen nicht mehr geklärt werden können

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Bleibt das, was ich in der Beratung erzähle nur bei den Beraterinnen?

Alle Mitarbeiterinnen des Vereins FRAUEN SUCHT GESUNDHEIT e.V. unterliegen der Schweigepflicht. Im Gespräch entscheiden unsere Klientinnen selbst, was Sie erzählen möchten. Nur wenn Sie es selbst wünschen und Sie uns Ihr Einverständnis geben, leiten wir Informationen weiter (z.B. Hausärztin, Krankenkasse). Unsere Schweigepflicht gilt sowohl für das persönliche Gespräch in der Frauensuchtberatung Schleswig-Holstein als auch für die Beratung per Chat oder per E-Mail.

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