Frauen Sucht Gesundheit e.V.
Holtenauer Str. 127 · 24118 Kiel
Tel.: 0431/61549 · Fax: 0431/665975
E-Mail: info@fsg-sh.de · Internet: www.fsg-sh.de

Medikamentenabhängigkeit – Fragen und Antworten

1. Wie verbreitet ist die Medikamentenabhängigkeit?

2. Welche Vor- und Nachtteile haben Medikamente?

3. Warum bezeichnet man Medikamentenabhängigkeit auch als „die stille Sucht“?

4. Was sollte ich beachten, wenn ich Medikamente, bei denen das Risiko einer Abhängigkeit besteht, einnehme?

5. Welche Medikamente können abhängig machen?

6. Bei welchen Beschwerden werden diese Medikamente verschrieben?

7. Welche Wirkung und Nebenwirkungen haben diese Medikamente?

8. Welche Langzeitfolgen können bei regelmäßiger Einnahme auftreten?

9. Wie lange darf ich psychisch wirksame Medikamente nehmen und ab wann steigt das Risiko einer Abhängigkeit?

10. Welche Absetz-/Entzugserscheinungen gibt es?

11. Woran erkenne ich eine Abhängigkeit?

12. Bin ich schon abhängig?

13. Welche Besonderheiten gibt es bei Frauen?

14. Warum ist der Anteil der Frauen so hoch?

15. Warum sind gerade ältere Frauen betroffen?

16. An wen kann ich mich wenden, wenn ich den Verdacht habe medikamentenabhängig zu sein?

17. Wie sieht die Behandlung aus und wer trägt die Kosten?

18. Woran erkenne ich, dass jemand medikamentenabhängig ist?

19. Was kann ich tun, wenn ich den Verdacht habe, dass mein/e Angehörige/r von Medikamenten abhängig ist?


1. Wie verbreitet ist die Medikamentenabhängigkeit?

Die Medikamentenabhängigkeit ist nach der Tabakabhängigkeit das zweitgrößte Suchtproblem in Deutschland und steht somit noch vor der Alkoholabhängigkeit.
Das Bundesgesundheitsministerium schätzt, dass ca. 1,4 – 2,3 Millionen Menschen medikamentenabhängig sind (Hrsg: Drogenbeauftragte der Bundesregierung Bundesministerium für Gesundheit Drogen- und Suchtbericht Berlin 2016 S.55). Etwa. 1,1 bis 1,2 Millionen schlucken regelmäßig Benzodiazepine, damit gehören diese zu den am häufigsten verschriebenen Schlaf-und Beruhigungsmitteln und stehen somit an der Spitze der missbräuchlichen Medikamente. 300.000 bis 400.000 Menschen sind abhängig von anderen Präparaten, insbesondere von Schmerzmitteln. 70% aller medikamentenabhängigen Menschen sind Frauen.

>>> Zurück zu den Fragen


2. Welche Vor- und Nachtteile haben Medikamente?

Medikamente (lateinisch medicamentum „Heilmittel“) sind Stoffe, die zur Heilung, Vorbeugung oder Linderung von Krankheiten dienen. Bei jeder Einnahme muss der individuelle Nutzen gegenüber dem Risiko abgewogen werden, denn es gibt keine Wirkung ohne Nebenwirkung oder wie Paracelsus es ausdrückte: „die Dosis macht das Gift.“ Medikamente können uns also vor Krankheiten schützen, Beschwerden lindern oder heilen und sogar lebensrettend sein, aber es können auch Nebenwirkungen auftreten und einige Medikamente können in eine Abhängigkeit führen.

>>> Zurück zu den Fragen


3. Warum bezeichnet man Medikamentenabhängigkeit auch als „die stille Sucht“?

Man nennt die Medikamentenabhängigkeit auch die stille Sucht, da die Abhängigkeit oft im Verborgenen und unauffällig bleibt. Es fehlt zum einen das Problembewusstsein (schließlich bekommt man die Medikamente ganz legal von seiner/seinem Ärztin/Arzt verschrieben) und zum anderen sind Betroffene regelrecht ruhig gestellt. So konsumieren Menschen jahrelang Medikamente, ohne dass es jemand bemerkt, weil sie nicht auffallen, weder Lärm noch Probleme machen.

>>> Zurück zu den Fragen


4. Was sollte ich beachten, wenn ich Medikamente, bei denen das Risiko einer Abhängigkeit besteht, einnehme?

Die Entstehung einer Abhängigkeit lässt sich verhindern, wenn man die 4-K-Regel befolgt:

A) Klare Indikation:
Nehmen Sie das Medikament nur ein, wenn eine eindeutige medizinische Indikation besteht.
B) Kleinste notwendige Dosis:
Nehmen Sie nur so viel wie nötig und so wenig wie möglich ein.
C) Kurze Anwendung:
Nehmen Sie das Medikament nur überbrückend und nur für kurze Zeit.
Eine Abhängigkeit von Benzodiazepinen kann bereits nach drei Wochen entstehen.
D) Kein abruptes Absetzen:
Hören sie nicht einfach mit der Einnahme auf, sondern verringern Sie die Dosis langsam in Absprache mit ihrer/ihrem Ärztin/Arzt.

>>> Zurück zu den Fragen


5. Welche Medikamente können abhängig machen?

A) Die sogenannten Tranquilizer, das sind Schlaf- (Hypnotika) und Beruhigungsmittel (Sedativa), darunter fallen insbesondere Benzodiazepine und deren Analoga.
B) Schmerzmittel (Analgetika), von leichten freiverkäuflichen Mitteln bis hin zu stärkeren Opiaten/Opioiden.
C) Anregungs- und Aufputschmittel (Stimulanzien, wie z.B. Methylphenidat, bekannt unter dem Namen Ritalin®, Ephedrin, Koffeintabletten)

>>> Zurück zu den Fragen


6. Bei welchen Beschwerden werden diese Medikamente verschrieben?

A) Schlaf-und Beruhigungsmittel: werden bei verschiedenen Schlafstörungen, Angststörungen, Erregungs-, Spannungs- und Unruhezuständen, sowie bei psychotischen Symptomen verschrieben oder auch als Beruhigungsmittel vor operativen Eingriffen angesetzt.
Darunter fallen die häufig verschriebenen Benzodiazepine (zum Beispiel: Bromazepam, Brotizolam, Diazepam [bekannt unter dem Namen Valium®], Flunitrazepam, Lormetazepam, Lorazepam, Nitrazepam, Oxazepam, Temazepam, Tetrazepam und Triazolam) und deren Analoga (bekannt unter dem Namen: Z-Drugs, wegen der Wirkstoffe: Zolpidem, Zopiclon). Aufgrund ihrer Wirkung werden sie auch als Tranquilizer (engl. to tranquillize = beruhigen) bezeichnet.

B) Schmerzmittel: sind Stoffe, die schmerzlindernd wirken. Sie werden bei vielen verschiedenen Beschwerden eingenommen und zählen deshalb zu den am häufigsten verwendeten Arzneimitteln.
Leichte Schmerzmittel (zum Beispiel: Paracetamol, Ibuprofen, Acetylsalicylsäure [bekannt unter dem Namen Aspirin®] etc.) werden vor allem zur Behandlung von Schmerzen, Fieber und Entzündungen eingesetzt und bei gelegentlichen, leichten bis mittelschweren Schmerzen empfohlen. Häufig werden sie bei Kopfschmerzen, besonders bei Migräne und Spannungskopfschmerzen, aber auch nach Schädel-Hirn Trauma oder Schleudertrauma verschrieben. PatientInnen, die Schmerzmittel aufgrund der eben genannten Beschwerden einnehmen, sind besonders gefährdet in eine Abhängigkeit zu geraten, denn bei häufiger Einnahme kann es durch die Medikamente zu einem dumpf drückenden Dauerkopfschmerz kommen und somit zu weiterer Einnahme von Schmerzmitteln.
Stärkere Schmerzmittel, Opiate und Opioide, werden oft bei chronischen Schmerzen und schweren Schmerzzuständen verschrieben, z.B. bei Rückenschmerzen, Schmerzen des Bewegungsapparates und somatoformen Störungen (körperliche Beschwerden, die sich nicht oder nicht hinreichend auf eine organische Erkrankung zurückführen lassen).

C) Anregungs- und Aufputschmittel
Methylphenidat (Ritalin®): wird Kindern verabreicht, bei denen eine Aufmerksamkeitsdefizit- und/ oder Hyperaktivitätsstörung diagnostiziert wurde. Der Wirkstoff ist dem Betäubungsmittelgesetz (BtMG) unterstellt. Es wurde von Fällen berichtet, bei denen Mütter die Medikamente ihrer Kinder einnahmen, die gegen ADHS/ADS behandelt werden, um der Belastung standzuhalten.
Der Gesundheitsreport 2009 der DAK weist explizit auf das Phänomen des Neuro-Enhancement, das sogenannte „Gehirndoping“ hin, das aus den USA inzwischen nach Deutschland „geschwappt“ ist. Damit ist die Einnahme psychoaktiver Substanzen durch Gesunde mit dem Ziel der Verbesserung der eigenen kognitiven Leistungsfähigkeit gemeint. Stimulanzien werden eingenommen, um besser zu funktionieren. Der Leistungsdruck in unserer Gesellschaft wird immer stärker, Frauen sind auf Grund von Mehrfachbelastungen (Beruf und Kinder) gefährdet in eine Abhängigkeit von aufputschenden Mitteln zu geraten.

Ephedrin: wird zumeist mit anderen Wirkstoffen kombiniert angewendet und kommt als Zusatzstoff in Schmerz-, Erkältungs- und Asthmamitteln vor. Es findet Verwendung gegen Hypotonie, Bronchitis und Asthma bronchiale, zur Abschwellung der Schleimhäute bei Schnupfen sowie als Bestandteil von Appetitzüglern.

Koffeintabletten: sollten nicht unterschätzt werden. Sie werden eingenommen, um sich aufzuputschen, besser durchhalten zu können oder auch um Hungergefühle zu unterdrücken. Die Gefahr ist, dass besonders junge Menschen durch Einnahme von Medikamenten lernen ihre natürlichen Bedürfnisse nach Schlaf und Nahrung zu kontrollieren und zu unterdrücken, um z.B. in der Schule wacher zu sein. Besonders gefährdet sind junge Frauen, die mit Hilfe solcher Mittel versuchen ihr Körpergewicht zu reduzieren.

>>> Zurück zu den Fragen


7. Welche Wirkung und Nebenwirkungen haben diese Medikamente?

Lesen Sie immer den Beipackzettel, um einen mündigen, informierten und verantwortungsvollen Umgang mit Ihren Medikamenten zu pflegen (über die richtige Einnahme, Nebenwirkungen, Warnhinweise, Verfallsdatum etc.). Beachten Sie auch Wechselwirkungen mit anderen Wirkstoffen (beachten Sie welche Medikamente Sie einnehmen und geben Sie diese bei einem Arztbesuch an) und vermeiden Sie zusätzlichen Alkoholkonsum, dies ist eine riskante Mischung und kann lebensbedrohliche Folgen haben, sowie das Abhängigkeitspotenzial verstärken.

A) Benzodiazepine: wirken angstlösend, krampflösend, muskelentspannend, beruhigend, dämpfend und schlafanstoßend, teils auch stimmungsaufhellend und euphorisierend (je nach Dosierung und Einnahme).
Nebenwirkungen: Auf Grund der langen Wirkdauer dieser Medikamente kann es zu einem Hang-over-effekt am nächsten Tag kommen (verminderte Reaktionsfähigkeit, Müdigkeit, Gleichgewichtsstörungen).Außerdem kann es bereits nach einigen Wochen vermehrt zu folgenden Nebenwirkungen kommen: Unruhe, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Körpermissempfindungen, Reizüberempfindlichkeit, sowie Trittunsicherheit mit Sturzgefahr.

B) Schmerzmittel
Leichte Schmerzmittel wirken am Entstehungsort (äußeres Nervensystem). Sie wirken schmerzlindernd, fiebersenkend und teilweise entzündungshemmend.
Starke Mittel wirken im zentralen Nervensystem (Rückenmark/Gehirn), in dem sie die Weiterleitung von Schmerzimpulsen unterdrücken, dazu zählen die Opiate und opiatähnliche – opioide Analgetika. Diese fallen meist unter das Betäubungsmittelgesetz (BtMG). Opiate stammen chemisch vom Opium ab (Morphin, Codein). Opioide werden synthetisch hergestellt und haben morphinartige Eigenschaften. Bei Behandlung von schweren Schmerzzuständen können sie die Lebensqualität der Betroffenen deutlich steigern. Die Mittel verringern neben der schmerzlindernden Wirkung die geistige Aktivität (Sedierung), sie beseitigen außerdem Angst-und Konfliktgefühle und beeinflussen die Stimmungslage (meist euphorisierend, „angenehme Gleichgültigkeit“, aber auch verschlechternd).
Nebenwirkungen: Opiate und Opioide sollten nicht unbedacht verschrieben werden, da sie ein hohes Suchtpotenzial haben. Bei richtiger Anwendung unter ärztlicher Kontrolle sollen sie aber selten zur Abhängigkeit führen. Aber auch der Konsum von leichten, freiverkäuflichen Schmerzmitteln kann beim missbräuchlichen Konsum zu Abhängigkeit führen. Oft entsteht ein Teufelskreis: Medikamente gegen Kopfschmerzen können schon bei leichter Überdosierung selbst Kopfschmerzen verursachen und zu erneuter Einnahme von Medikamenten führen. Besonders gefährlich sind Schmerzmittel, sogenannte Mischanalgetika, denen zusätzlich Wirkstoffe, wie Koffein, Codein oder Ephedrin beigefügt wurden. Diese stimulieren neben der scherzlindernden Wirkung die Psyche und dies birgt ein erhöhtes Suchtpotenzial. Der bessere Wirkeffekt wurde nicht bewiesen. Bei einer Gewöhnung kommt es zum Entzugskopfschmerz und es tritt ein starkes Bedürfnis auf erneut das Medikament einzunehmen. Außerdem verstärken sich die Nebenwirkungen je mehr Wirkstoffe in einem Präparat kombiniert sind, im Extremfall kann es zu Nierenversagen führen. Nehmen Sie deshalb bei Schmerzen ein Medikament mit nur einem Wirkstoff ein.

C) Anregungs- und Aufputschmittel
Methylphenidat (Ritalin®): Wirkung beim Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom (ADHS): Die Ursachen von ADHS sind nicht vollständig geklärt, man geht von verschiedenen Faktoren aus, die zusammen spielen (z.B. genetische und familiäre Bedingungen). Die Forschung nimmt an, dass ein Faktor bei ADHS-Erkrankten darin besteht, dass ein Mangel an Dopamin im Gehirn vorliegt. Dopamin ist ein Botenstoff, der für die Informationsübertragung zwischen bestimmten Nervenzellen zuständig ist. Ritalin soll die Wiederaufnahme des Botenstoffes hemmen und sorgt somit für eine erhöhte Dopaminkonzentration. Dadurch sollen sich die Betroffenen besser konzentrieren und ruhiger werden können. Es wird davon ausgegangen, dass bei fachgerechter medikamentöser Therapie keine Abhängigkeit entsteht. Allerdings sollte man Methylphenidat nicht plötzlich absetzen, da dies unter Umständen zu Absetzerscheinungen wie etwa verstärkter Hyperaktivität, Gereiztheit oder depressiver Verstimmung führen kann.
Wird das Medikament allerdings missbräuchlich eingenommen, z.B. als Dopingmittel, kann es schnell zu einer Abhängigkeit kommen. Bei Menschen ohne ADHS wirkt Ritalin anregend und antriebssteigernd, es unterdrückt Müdigkeit und das Schlafbedürfnis, dämpft Hungergefühle, sorgt für ein Gefühl erhöhter Leistungsbereitschaft und Konzentrationsfähigkeit, es kann leichte Euphorie auslösen und das Selbstbewusstsein erhöhen oder auch sexuelle Stimulation hervorrufen. Nach dem Abklingen der Wirkung verschlechtert sich die Stimmung. Die Wirkung lässt bei langandauernder Einnahme nach (Toleranzentwicklung), um eine Wirkung zu erzielen, muss die Dosis gesteigert werden.
Nebenwirkungen: Häufig Appetitlosigkeit, Angstgefühle, anfängliche Schlafstörungen, depressive Verstimmung, Nervosität, Unruhe, Agitiertheit, Aggressionen, Zähneknirschen, Depressionen, verminderte Libido, Verwirrung, Spannung, Schwindelgefühl, Zittern, Ameisenlaufen, Dämpfung, Spannungskopfschmerzen, verschwommenes Sehen, Schmerzen in Nasen-Rachenraum, Magendarmbeschwerden, übermäßiges Schwitzen, Juckreiz, Haarausfall, Nesselsucht, Muskelspannung, verstärkte Reizbarkeit und Aggressivität, Gewichtsverlust, Muskelzuckungen (Tic), emotionale Labilität, Suizidgedanken, Herz-Kreislaufstörungen, Erhöhung des Blutdruckes. Bei nachlassender Wirkung können depressive und ängstliche Symptome auftreten. Bei missbräuchlichem Gebrauch können vermehrt Krampfanfälle, Herzrhythmusstörungen, Kopfschmerzen und Verwirrtheit auftreten, so wie Angstzustände, Wahnvorstellungen oder Aggressivität bis hin zu Halluzinationen und plötzlichen Todesfällen. Außerdem kann sich bei missbräuchlichem Konsum eine psychische Abhängigkeit entwickeln.

Ephedrin: ist der Hauptwirkstoff der Ephedra-Pflanze, auch bekannt als Mormonentee, Meerträubel oder Ma-Huang und wirkt kreislaufstimulierend, antriebs- und leistungssteigernd, appetit-hemmend, blutdrucksteigernd, herzstimulierend, bronchienerweiternd und entspannend. Es kommt zu einem erhöhten Mitteilungsbedürfnis und Bewegungsdrang. Ephedrin hat eine ähnliche Wirkung wie Speed, allerdings wesentlich schwächer.
Nebenwirkungen: Bereits bei niedrigen Dosierungen können Herzklopfen, Unruhe, Mundtrockenheit, Schlafstörungen und Pupillenweiterung auftreten. Mit steigender Dosis kann es zu Herzrasen, Herzrhythmusstörungen, erhöhten Blutdruck, Schlaflosigkeit, Schweißausbrüchen, Zittern, Übelkeit, Pulsrasen, Atemschwierigkeiten, Nervosität, Verwirrung, Verfolgungswahn, Angst, Halluzinationen, Delirium und Kopfschmerzen kommen, selten zu Krämpfen. Es gehört eher zu den schwachen Suchtstoffen, kann bei Missbrauch aber zu einer Abhängigkeit führen.

Koffeintabletten: putschen auf, machen wach, steigern die Konzentration und können Hungergefühle unterdrücken. Koffein gilt auch als eine legale Psychodroge, da es anregend auf das zentrale Nervensystem wirkt.
Nebenwirkungen: Wird Koffein in größeren Mengen konsumiert, kann es zu einer Reihe von Nebenwirkungen kommen. Dazu gehören unter anderem Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Nervosität oder Magen-Darm-Beschwerden.
Bei Überdosierung kann es zu Durchfall, Zittern, erhöhter Puls, Schlaflosigkeit, Herzrasen, seelischer Erregung, bis hin zu Angstzuständen, Albträumen und sogar halluzinatorischen Zuständen kommen. Da der Körper sich schnell an die Zufuhr des Koffeins gewöhnt, kann es bei Einstellung des Konsums zu Entzugserscheinungen kommen.

>>> Zurück zu den Fragen


8. Welche Langzeitfolgen können bei regelmäßiger Einnahme auftreten?

Regelmäßige Einnahme kann zu Toleranzentwicklung und Abhängigkeit führen.

A) Schlaf und Beruhigungsmittel (vor allem Benzodiazepine):
Körperliche Folgen: allgemeine körperliche Verlangsamung, verminderte Leistungsfähigkeit, Bewegungsunsicherheit, vermindertes Reaktionsvermögen, Konzentrationsschwierigkeiten, Einschränkung von Gedächtnis und Merkfähigkeit, Sprachstörungen, verminderte Libido bis hin zu verschiedenen Organschäden, wie Magenerkrankungen, Leberschäden, Nierenversagen. Hinzu kommt, dass ein Absetzen des Präparats mit quälenden Entzugserscheinungen einhergeht, die sich in einem klassischen Entzugsdelirium oder einer Entzugspsychose mit Krampfanfällen äußern können. Außerdem ist die Unfall- und Sturzgefahr erhöht (siehe Folgen im Alter).
Psychische Folgen: seelische Verlangsamung, Gleichgültigkeit, Interessenlosigkeit, Verflachung von Gefühlen, Einschränkung von Gedächtnis und Merkfähigkeit, Stimmungsschwankungen bis hin zu Depressionen und Ängsten
Soziale Folgen: Einschränkung des Soziallebens, nicht selten treten Beziehungsprobleme auf, die bis zum Verlust der/des Partnerin/Partners führen können.

B) Schmerzmittel:
Bei leichten Schmerzmitteln kann es neben dem Dauerkopfschmerz zu zahlreichen Nebenwirkungen im Bereich des Magen-Darm-Traktes und im Bereich des Nierensystems kommen, sowie zu Organschäden, insbesondere schwere Nieren- und Leberschäden. Opiate/Opioide haben eine hohe Gefahr der psychischen Gewöhnung, schnellen Toleranzbildung und der physischen Abhängigkeit mit Entzugssymptomatik beim Absetzen. Da sich bei der Einnahme von Opiaten/Opioiden eine „angenehme Gleichgültigkeit“ einstellt, kann es zu Interessenminderung und Antriebsverlust führen. Dies kann soziale Folgen haben und sich negativ auf berufliche und private Anforderungen auswirken. Außerdem kann es zu psychischen Folgen, wie verminderter Denkfähigkeit, mangelndem Selbstvertrauen, Wahnideen, Psychosen, fehlender Empathiefähigkeit und gereizten Zuständen kommen.
Körperliche Folgen: Sedierung, Herabsetzen der Leistungsfähigkeit, Kreislaufregulationsstörungen mit plötzlichem Blutdruckabfall (nach raschem Aufstehen), Schwindel bis hin zu Bewusstlosigkeit, Verstopfung, verlangsamten Herzschlag, Mundtrockenheit und Miosis (Engstellung der Pupille). Bei einer Überdosierung von Schmerzmitteln kann es zu Atemlähmung oder zu Herz-Kreislauf-Stillständen kommen die zum Tode führen können.

C) Anregungs- und Aufputschmittel
Methylphenidat (Ritalin®): Das Abhängigkeitspotenzial von Stimulanzien ist allgemein als hoch einzuschätzen. Häufig kommt es zu Gewichtsverlust, Konzentrationsschwäche und Schlafstörungen. Eine Überdosierung kann Psychosen und epileptische Anfälle auslösen. Bei längerem Schlafentzug (durch die Wirkung des Methylphenidat) kann es Halluzinationen und Wahnvorstellungen kommen. Bei längerer Einnahme steigen die Risiken kardialer Probleme, wie Herzrhythmusstörungen, bis hin zu Herzinfarkten und Schlaganfällen. Außerdem kann es zu Entzündung und/oder Verschluss von Blutgefäßen des Gehirns, gestörter Leberfunktion, Zerstörung der Nasenschleimhaut (wenn es geschnupft wird), geringer/verzögerter Wachstumsgeschwindigkeit, Angina pectoris, Muskelkrämpfen, Blutarmut (Anämie), Gehirnschäden, Gehirnschlag und möglicherweise Epilepsie kommen, allgemein führt langfristiger Missbrauch zum körperlichen Verfall.

Ephedrin: Bei längerer Einnahme kann es neben den genannten Nebenwirkungen durch die appetithemmende Wirkung zu Gewichtsverlust kommen. Außerdem kann es zu sexuellen Störungen kommen. Bei häufigem Konsum stellt sich in der Regel eine Gewöhnung oder Toleranzentwicklung ein und es kann zu einem „Hang-over“ kommen, der mit Niedergeschlagenheit, Schlafstörungen, dauerhaftem Schwächegefühl und Mattheit einhergeht. Bei Dauerkonsum kommt es zu einer Beeinträchtigung der Gedächtnisleistung und Konzentrationsfähigkeit, Nervosität, Gereiztheit, aggressivem Verhalten, Bluthochdruck, Herzrhytmusstörungen, schlechten Zähnen, Leber- und Nierenschäden und psychischen Störungen (Psychose, Verfolgungswahn). Bei regelmäßigem Ephedrinkonsum kann es zu einer psychischen Abhängigkeit kommen.

Koffeintabletten: Bei einer Überdosierung von Koffein kann es zu einem allgemeinen Unwohlsein bzw. überhöhter Nervosität bis hin zu einem sogenannten Koffeinschock kommen, dabei können starke Erregungszustände, Delirium und Krämpfe auftreten. Danach kommt es zu einer heftigen Abklingphase mit starker Müdigkeit. Im Zweifelsfall sollte eine/ein Ärztin/Arzt konsultiert werden. Koffein gilt als eine legale Droge. Die Abhängigkeit äußert sich wie bei anderen Drogen in der Toleranz gegenüber dem Wirkstoff. Der Körper gewöhnt sich sehr schnell an das Koffein und reagiert beim Absetzen mit Entzugserscheinungen, wie Reizbarkeit, Kopfschmerzen, Übelkeit, mangelnde Konzentrationsfähigkeit, Unlustgefühle, leichte Depressionen, Müdigkeit und Antriebslosigkeit.

>>> Zurück zu den Fragen


9. Wie lange darf ich psychisch wirksame Medikamente nehmen und ab wann steigt das Risiko einer Abhängigkeit?

A) Schlaf-und Beruhigungsmittel: können in akuten Krisen helfen. Sie sollten aber nur in einem kurzen Zeitraum benutzt werden, denn sie schaffen für den Moment zwar Erleichterung, sie können aber nicht die Ursachen von Belastungen und Schwierigkeiten lösen. Benzodiazepine sollten nie länger als ein bis zwei Wochen eingenommen werden, denn diese machen sehr schnell abhängig. Eine Abhängigkeit von Benzodiazepinen kann bereits nach drei Wochen entstehen, auch bei gleich bleibend niedriger Dosierung.

B) Leichte Schmerzmittel: werden entweder zu hoch dosiert oder zu häufig eingenommen. Als zu häufig wird die Einnahme an mehr als 15 Tagen eines Monats definiert. Die Einnahme von Opiaten und Opioiden bei akuter und chronischer Schmerzbehandlung führt in der Regel unter kontrollierten therapeutischen Bedingungen nicht zu einer Suchtentwicklung. Es gibt aber die Gefahr des Missbrauches (vor allem wenn der Konsum nicht der Schmerzlinderung dient, sondern auf die euphorisierende Wirkung abzielt) und damit verbunden eine Abhängigkeitsgefahr. Aufgrund der schnellen Gewöhnung und Toleranzentwicklung kann es schon nach schon wenigen Verabreichungen zu einer Abhängigkeit kommen.

C) Anregungs- und Aufputschmittel
Methylphenidat (Ritalin®): darf nur bei eindeutiger Indikation unter ärztlicher Kontrolle eingenommen werden und niemals missbräuchlich konsumiert werden, auf Grund der gesundheitlichen Risiken und der großen Abhängigkeitsgefahr.

Ephedrin: kann bei regelmäßigem Konsum zu einer psychischen Abhängigkeit führen.

Koffeintabletten: Koffein macht sehr schnell abhängig, weil der Körper sich schnell an den Wirkstoff gewöhnt. Bei Koffeintabletten steigt die Gefahr einer Überdosierung.

>>> Zurück zu den Fragen


10. Welche Absetz-/Entzugserscheinungen gibt es?

Nach längerer, regelmäßiger Einnahme können beim Absetzen von Medikamenten quälende, langanhaltende Entzugserscheinungen auftreten, wie Zittern, Schwitzen, Frieren, Herzrasen, Unruhe, starke Ängste, depressive Verstimmungen, Psychosen, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Fieber, Gliederschmerzen, Halluzinationen bis hin zu Krampfanfällen. Eine weitere Gefahr ist, dass es zum Rebound-Effekt kommen kann, es treten dann verstärkt die Ausgangsbeschwerden wieder auf. Deshalb dürfen Medikamente nie abrupt abgesetzt werden, sondern müssen unter ärztlicher Aufsicht „ausgeschlichen“ werden. Ein Teil der Abhängigkeiten bewegt sich im Rahmen der ärztlichen Verordnung (Niedrigdosisabhängigkeit) und wird erst beim Absetzen des Medikaments deutlich. Die auftretenden Entzugserscheinungen können dann als die Beschwerden auftreten, gegen die die Medikamente ursprünglich helfen sollten. Die Entzugszeichen werden somit als Krankheitssymptome interpretiert. Das führt dazu, dass weiter Tabletten eingenommen werden, um die Entzugserscheinungen zu lindern, ohne dass dies den Betroffenen bewusst wäre. Ein Teufelskreis entsteht.

>>> Zurück zu den Fragen


11. Woran erkenne ich eine Abhängigkeit?

Eine Abhängigkeit entwickelt sich schleichend. Da die Medikamente von ÄrztInnen verschrieben werden, um Beschwerden zu behandeln, ist ein Problembewusstsein über mögliche Abhängigkeit schwierig. Oft bleiben psychosomatische Zusammenhänge der Beschwerden unerkannt und Symptome werden versucht mit Medikamenten zu unterdrücken. Verbreitet ist bei Benzodiazepinen die Niedrigdosisabhängigkeit, d.h. dass über längere Zeit eine im therapeutischen Bereich liegende Dosis oder höchstens eine leichte darüber liegende eingenommen wird. Es kommt somit zu keiner Dosissteigerung, aber es kann trotzdem zu einer Verstärkung (Kumulation) des Wirkstoffes im Körper kommen. Hat der Wirkstoff sich bis zur erneuten Einnahme noch nicht vollständig abgebaut, bleibt ein Rest über und erhöht somit die Dosis und Wirkung. Viele Betroffene sind sich dessen und in auch ihrer Abhängigkeit nicht bewusst und wissen wenig über die Folgen des Dauergebrauchs. So wird Medikamentenabhängigkeit häufig erst in einem späten Stadium der Erkrankung erkannt, denn der Übergang vom Gebrauch zum Missbrauch und zur Abhängigkeit ist fließend und das Ursachengefüge für eine Medikamentenabhängigkeit sehr komplex.

>>> Zurück zu den Fragen


12. Bin ich schon abhängig?

Typische Anzeichen von Medikamentenabhängigkeit:

  • Ich nehme das Medikament weder aus Krankheits-, noch aus situationsbezogenen Gründen ein.
  • Ich benutze das Medikament, um bestimmte Gefühle zu betäuben oder herbeizuführen.
  • Bei bestimmten seelischen oder körperlichen Belastungen habe ich ein starkes Verlangen nach meinem Medikament.
  • Ich nehme das Medikament schon vor Auftreten der Beschwerden ein.
  • Ich merke, dass mein Medikament nicht mehr so wirkt wie früher bzw. muss ich immer mehr Tabletten einnehmen, um die gleiche Wirkung zu spüren (Toleranzentwicklung).
  • Ich verheimliche vor Anderen, wie viele Tabletten ich tatsächlich einnehme.
  • Ich bagatellisiere meinen Konsum, weil ich Sorge habe, dass meine/mein Ärztin/Arzt mir kein Rezept mehr ausstellen könnte.
  • Ich suche verschiedener Arztpraxen auf, um die Medikamente verschrieben zu bekommen, sowie verschiedene Apotheken zum Einlösen der Rezepte bzw. zum Kauf der Medikamente.
  • Ich habe mir mein Medikament auch schon von anderen Menschen besorgen lassen, um an Nachschub zu kommen.
  • Ich nehme mehrere Schlaf-, Beruhigungs- oder Schmerzmittel nebeneinander.
  • Meine/meinen Ärztin/Arzt oder ApothekerIn haben mich bereits wegen meines Medikamentenkonsums angesprochen.
  • Vorsichtshalber habe ich mir einen Vorrat meines Medikaments angelegt.
  • Ich habe Entzugssymptome beim Absetzen des Medikaments, z. B. Zittern, Schwitzen, Herzrasen, Unruhe, Angstzustände, depressive Verstimmungen, Halluzinationen, Krämpfe etc.

>>> Zurück zu den Fragen


13. Welche Besonderheiten gibt es bei Frauen?

Viele Frauen nehmen Medikamente, weil sie unter Ängsten, Schlafstörungen oder Spannungszuständen leiden, aufgrund von belasteten Lebensumständen, wie Mehrfachbelastungen (Beruf und Kinder), Gewalterfahrungen oder traumatischen Erlebnissen. Zwei Drittel der Medikamentenabhängigen sind Frauen. Etwa 20% aller Frauen in Deutschland werden Medikamente mit Abhängigkeitspotenzial verschrieben. Ab dem 40. Lebensjahr steigt die Zahl der Betroffenen sprunghaft an. Vom 60. Lebensjahr an kann die Medikamentenabhängigkeit als verbreitetes Phänomen bezeichnet werden.

>>> Zurück zu den Fragen


14. Warum ist der Anteil der Frauen so hoch?

Zum einen geht man davon aus, dass Frauen schneller eine/einen Ärztin/Arzt bei Krankheiten und Beschwerden aufsuchen, da sie erstens durch regelmäßige Besuche bei GynäkologInnen (Menstruation, Verhütung, Schwangerschaft) schon früh regelmäßigen Kontakt zu ÄrztInnen haben und es ihnen zweitens auf Grund ihrer geschlechtsspezifischen Erziehung leichter fallen könnte über ihre psychische Probleme zu sprechen.

Zum anderen liegt es aber nicht nur an der geschlechtsspezifischen Sozialisation von Frauen, sondern auch an einer Gesellschaft, die immer noch von einer Sichtweise geprägt ist, die Männer als Maßstab versteht. So werden Medikamente häufig an jungen gesunden Männern getestet, ohne zu beachten, dass Frauen, Kinder und ältere Menschen Medikamente anders verstoffwechseln (der Hormonhaushalt spielt auch eine Rolle, so kann sich die Verarbeitung der Wirkstoffe in den verschiedenen Phasen des Menstruationszyklus oder in den Wechseljahren unterscheiden) , so erhalten sie häufig zu hohe Dosierungen.

Außerdem werden Frauen mit ihren Problemen oft nicht ernstgenommen, sie seien labil, würden zu Übertreibungen neigen, werden als hysterisch bezeichnet und müssten deshalb ruhig gestellt werden – mit Hilfe von Medikamenten. Eine Werbung (Pharmafirma Hoffmann LaRoche) für Benzodiazepine aus den 70er Jahren verdeutlicht das, was noch heute ein Blick auf Probleme von Frauen zu sein scheint, schaut man sich die Verschreibungszahlen an: „Keine Scheinlösung für Probleme, sondern eine Lösung für Scheinprobleme.“ Frauen bekommen wesentlich öfter Medikamente verschrieben, wenn sie von Schlafstörungen und psychischen Belastungen berichten als Männer, ihnen wird zum Beispiel eher zum Sport machen geraten.

Aber auch frauenspezifische Erfahrungen im Bereich der sexualisierten und häuslichen Gewalt, Traumata und ihre Folgen, wie Schlafstörungen, Depressionen, Angststörungen etc. führen dazu, dass Medikamente eingenommen werden, um Symptome zu lindern.

Außerdem trägt auch der gesellschaftliche Wandel dazu bei, dass die Anforderungen an Frauen immer höher werden. Immer mehr berufstätige Frauen leisten zusätzliche Arbeit in der „produktiven“ Sphäre bei bleibender Arbeit im „reproduktiven“ Bereich, das führt zur Doppelbelastung. Denn reproduktive Arbeit wird immer noch hauptsächlich von Frauen geleistet (Haushalt, Kindererziehung, emotionale Beziehungsarbeit, Essensversorgung, Pflege von Angehörigen, Fürsorge etc.). Sie erfahren wenig Entlastung von Partnern und von staatlicher Seite (Kita, Kinderbetreuung etc.). Medikamentenkonsum soll die Leistung erhöhen, um der Mehrfachbelastung standhalten zu können. Dieser bleibt sozial unsichtbar, lässt sich gut im Alltag integrieren und sorgt dafür, dass Frauen nicht aus ihrer Rolle fallen und funktionieren.

>>> Zurück zu den Fragen


15. Warum sind gerade ältere Frauen betroffen?

Ein Drittel der Medikamentenabhängigen ist älter als 70, die Mehrheit über 50. Das liegt daran, dass natürliche Lebensphasen und hormonelle Veränderungen von Frauen pathologisiert werden. Phänomene des Älterwerdens werden besonders von Frauen als defizitär empfunden. Die Medizin spricht von Hormonmangel, wo kein Mangel ist, sondern altersentsprechende Veränderungen vor sich gehen. Symptome wie Unruhe, Ängste, Stimmungsschwankungen und Niedergeschlagenheit sind die Symptome, mit denen Frauen die Praxen aufsuchen, mit dem Ziel weiter zu funktionieren wie bisher. Es fehlt vor allem an Aufklärung z.B. über veränderte Schlafbedürfnisse im Alter und alternative Methoden der Selbsthilfe auch gegen andere Befindlichkeitsstörungen. Weil ältere Menschen oft verschiedene Medikamente einnehmen, kommt es zu Wechselwirkungen. Das führt zu sogenannten Hang-over-Effekten und zu ständig steigenden Wirkstoffkonzentrationen, deren Folge häufig neue Verordnungen sind. Die Folgen sind Benommenheit und Schwindel, Abstumpfung, Konzentrationsstörungen, Verwirrung, Depressionen, sozialer Rückzug. Dies führt zu beträchtlichen Einbußen an Lebensqualität. Außerdem kommt es häufig zu Stürzen und Unfällen mit Knochenbrüchen. Ein Drittel aller Oberschenkelfrakturen sind auf die Einnahme von Medikamenten zurückzuführen.
Suchtfördernde Faktoren bei älteren Frauen:

  • Frauen erfahren „Aussonderung“ schon im mittleren Lebensalter und erleben ihren Alterungsprozess häufig krisenhaft. Der Verlust der jugendlichen Attraktivität wird als bedrohlich erlebt.
  • Häufig ist das Klimakterium mit vielfältigen Befindlichkeitsstörungen Einstiegszeit für den missbräuchlichen Konsum von Alkohol und Medikamenten.
  • Der Lebensabschnitt Alter wird immer länger, aber es wird kein Umgang mit dieser Lebensphase eingeübt.
  • Frauen sind auch heute noch maßgeblich auf Beziehungsarbeit fixiert, Trennungen werden als traumatisch erlebt (Auszug der Kinder, Scheidung oder Verlust der/des Partnerin/Partners) und dem eigenen Versagen zugeschrieben (Leere, Sinnverlust)
  • Keine Solidarität sondern Konkurrenz und Vereinsamung in der älteren Bevölkerung
  • Ängste im Alter / Unsicherheiten, wegen bestehender körperlicher Beeinträchtigungen
  • Fehlende Tagesstruktur
  • Geldmangel, Altersarmut ist weiblich
  • Verlust an Autonomie, Freiheit , Selbstständigkeit

>>> Zurück zu den Fragen


16. An wen kann ich mich wenden, wenn ich den Verdacht habe medikamentenabhängig zu sein?

Besprechen Sie Ihre Sorgen und Bedenken in Bezug auf Ihren Medikamentenkonsum mit Ihrer/Ihrem verschreibenden Ärztin/Arzt oder ApothekerIn oder vereinbaren Sie ein Beratungsgespräch mit uns oder einer anderen Suchtberatungsstelle. Sollten Sie das Gefühl haben nicht ernstgenommen oder verstanden zu werden oder das Gespräch verschafft Ihnen nicht die gewünschte Klarheit, sprechen Sie es wenn möglich an oder wechseln Sie die Praxis (sie haben immer die Möglichkeit eine/einen zweite/zweiten Ärztin/Arzt zu befragen) bzw. suchen Sie sich eine andere Beratungsstelle. Lassen Sie sich nicht entmutigen, um Ihr Medikamentenproblem besprechen zu können braucht es Vertrauen, manchmal dauert es etwas bis man die richtige Hilfe und die passenden AnsprechpartnerInnen oder TherapeutInnen gefunden hat. Holen Sie sich wenn es Ihnen möglich ist Unterstützung aus Ihrer Familie oder Ihrem Freundeskreis, diese könnten sie z.B. zum Arztbesuch begleiten oder nutzen Sie anonyme telefonische Beratung, um über ihre Probleme und Ängste zu sprechen. Sie können dafür auch unser Informations- und Beratungstelefon für einen gesunden eigenverantwortlichen Umgang mit Medikamenten nutzen.

Sie erreichen uns freitags von 10.00 bis 13.00 Uhr unter der Telefonnummer: 0431-61549 oder zu unseren sonstigen Telefonzeiten (Mo-Do von 9.00 bis 12.00 Uhr und Fr von 12.00 bis 13.00 Uhr).

>>> Zurück zu den Fragen


17. Wie sieht die Behandlung aus und wer trägt die Kosten?

Medikamentenabhängigkeit ist als Krankheit anerkannt. Wie bei allen Substanzabhängigkeiten steht am Anfang der Entzug, dieser verläuft je nach Medikament unterschiedlich. Benzodiazepine werden zum Beispiel langsam runter dosiert und ausgeschlichen. Schmerzmittel werden hingegen häufig schlagartig abgesetzt. Ein Entzug von Medikamenten sollte immer unter ärztlicher Kontrolle ambulant oder stationär erfolgen. Im Anschluss kann eine ambulante oder stationäre Entwöhnungstherapie, sowie eine Nachsorgebehandlung beantragt werden. Diese sind beihilfefähig. Die Kosten werden von den Rentenversicherungsträgern, der Beihilfe oder den Krankenkassen getragen. Wir oder andere Suchtberatungsstellen informieren Sie über unterschiedliche Therapieangebote, helfen Ihnen bei der Ermittlung der Kostenträger und der Antragstellung und unterstützen Sie bei der Aufrechterhaltung der Abstinenz und natürlich auch danach.

>>> Zurück zu den Fragen


18. Woran erkenne ich, dass jemand medikamentenabhängig ist?

Medikamentenabhängigkeit ist sehr komplex und bleibt oft im Verborgenen. Es handelt sich um eine unauffällige, oft kaum wahrnehmbare Abhängigkeit. Für die Menschen in der näheren Umgebung kann es dennoch spürbar sein, dass mit der oder dem Betreffenden etwas nicht stimmt. Verschiedene Indizien können auf eine Abhängigkeit hinweisen, zu ihnen gehören u.a. Stimmungsschwankungen, die Vernachlässigung von Interessen und Freundschaften, Unzuverlässigkeit, abweisende oder aggressive Reaktion wenn der Konsum zur Sprache kommt.

>>> Zurück zu den Fragen


19. Was kann ich tun, wenn ich den Verdacht habe, dass mein/e Angehörige/r von Medikamenten abhängig ist?

Wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihr Kind, PartnerIn, FreundIn missbräuchlich Medikamente konsumiert, können Sie in einem persönlichen Gespräch Ihre Hilfe anbieten. Wichtig dabei ist, dass Sie Ihre eigenen Gefühle und Sorgen beschreiben und keine Schuldzuweisungen und Verurteilungen vornehmen. Der oder die Betroffene muss sich ernst genommen fühlen und auch die eigene Sicht der Dinge darlegen können. Um Unterstützung zu vermitteln, können Sie gerne auf eine Suchtberatungsstelle verweisen. Auch Sie selbst können einen Termin für eine Angehörigenberatung bei uns vereinbaren.

Sie erreichen uns Mo-Do von 9.00 bis 12.00 Uhr und Fr von 12.00 bis 13.00 Uhr unter der Telefonnummer: 0431-61549.

>>> Zurück zu den Fragen


„Mother’s Little Helper“
Werbung für Serax (Oxazepam) 1967
„Sie können Sie zwar nicht befreien, sie können ihr aber helfen, sich weniger ängstlich zu fühlen“

Serax advertisement, 1967.
JAMA: The Journal of the American Medical Association, Vol. 200, No. 8, pp. 206-207.

You can’t set her free. But you can help her feel less anxious.
You know this woman. She’s anxious, tense, irritable. She’s felt this way for months. Beset by the seemingly insurmountable problems of raising a young family, and confined to the home most of the time, her symptoms reflect a sense of inadequacy and isolation. Your reassurance and guidance may have helped some, but not enough. Serax (oxazepam) cannot change her environment, of course. But it can help relieve anxiety, tension, agitation and irritability, thus strengthening her ability to cope with day-to-day problems. Eventually —
as she regains confidence and composure — your counsel may be all the support she needs.
Indicated in anxiety, tension, agitation, irritability, and anxiety associated with depression.
May be used in a broad range of patients, generally with considerable dosage flexibility.
Contraindications: History of previous hypersensitivity to oxazepam. Oxazepam is not indicated in psychosis.
Precautions: Hypotensive reactions are rare, but use with caution where complications could ensue from a fall in blood pressure, especially in the elderly. One patient exhibiting drug dependency by taking a chronic overdose developed upon cessation questionable
withdrawal symptoms. Carefully supervise dose and amounts prescribed, especially for patients prone to overdose; excessive prolonged use in susceptible patients (alcoholics, ex-addicts, etc.) may result in dependence or habituation. Reduce dosage gradually after
prolonged excessive dosage to avoid possible epileptiform seizures. Caution patients against driving or operating machinery until absence of drowsiness or dizziness is ascertained. Warn patients of possible reduction in alcohol tolerance. Safety for use in pregnancy
has not been established. Not indicated in children under 6 years; absolute dosage for 6 to 12 year-olds not established.
Side effects: Therapy-interrupting side effects are rare. Transient mild drowsiness is common initially; if persistent, reduce dosage.
Dizziness, vertigo and headache have also occurred infrequently; syncope, rarely. Mild paradoxical reactions (excitement, stimulation of affect) are reported in psychiatric patients. Minor diffuse rashes (morbiliform, urticarial and maculopapular) are rare. Nausea, lethargy,
edema, slurred speech, tremor and altered libido are rare and generally controllable by dosage reduction. Although rare, leukopenia and epatic dysfunction including jaundice have been reported during therapy. Periodic blood counts and liver function tests are advised.
Ataxia, reported rarely, does not appear related to dose or age. These side reactions, noted with related compounds, are not yet reported: paradoxical excitation with severe rage reactions, hallucinations, menstrual irregularities, change in EEG pattern, blood dyscrasias
(including agranulocytosis), blurred vision, diplopia, incontinence, stupor, disorientation, fever, euphoria and dysmetria.
Availability: Capsules of 10, 15 and 30 mg. oxazepam.
To help you relieve anxiety and tension SERAX® (oxazepam) ~ Service to Medicine ~ Wyeth Laboratories Philadelphia, Pa.